Dendrobates leucomelas - der gelbgebänderte Baumsteiger. Meine Erkenntnisse über deren Haltung und Zucht.

Dendrobates leucomelas - der gelbgebänderte Baumsteiger. Meine Erkenntnisse über deren Haltung und Zucht.

Dendrobates leucomelas kommt in Venezuela im Tropischen Regenwald vor. Es gibt verschiedene Farbvarianten: Typisch für D. Leucomelas ist seine mattschwarze Grundfarbe mit den gelben, orangefarbenen oder grünlichen Querbändern. Der Gelbgebänderte Baumsteiger (Dendrobates leucomelas) ist eine Art in der Gattung Baumsteiger (Dendrobates) und gehört zur Familie der Baumsteigerfrösche. Haltungs- und Artenbeschreibung: Dendrobaten

Streifzüge durch den Wald auf der Suche nach Lebendfutter für meine Pfeilgiftfrösche.Liebe Froschfreunde,

über 30 Jahre Erfahrung mit der Haltung von Amphibien veranlasst mich heute diese Homepage über Dendrobates leucomelas zu schreiben. Mein Name ist Klaus Kreyerhoff und ich komme aus Borken in NRW. Alle hier vorgestellten Informationen über diesen Pfeilgiftfrosch beruhen auf eigenen jahrelangen Beobachtungen und sind daher nicht wissenschaftlich belegt. Da die Wissenschaft aber nicht viel über Pfeilgiftfrösche weiß und ich auch kein Wissenschaftler bin, darf ich die Dinge aussprechen, wie ich sie als Züchter wahrnehme und interpretiere. Auch Besuche bei den erfolgreichsten Pfeilgiftfroschzüchtern Deutschlands und den Niederlanden haben mich nicht dazu bewegt, alles gleich bedingungslos nachzuäffen. - Sondern, mir immer wieder die Frage gestellt: „Wie würde es in der freien Natur ablaufen und wie kann ich dieses so gewonnene Wissen in der Praxis anwenden?” Ich hoffe, Sie bleiben auch nach dem Lesen dieser Seite experimentierfreudig und finden den Tag, an dem Sie Ihr gewonnenes Wissen veröffentlichen.

Kleines Bild oben: Einer meiner zahlreichen Streifzüge durch den Wald auf der Suche nach Lebendfutter für meine Pfeilgiftfrösche.
Dendrobates leucomelas auf Futtersuche. Dendrobates leucomelas im Regenwaldterrarium.
Aus eigener Zucht: (Bild links) Dendrobates leucomelas bei der Futtersuche im dicht bewachsenen Terrarium. (Bild rechts) Ein Jungfrosch kurz nach dem Landgang.

Allgemeines über Dendrobates leucomelas:

Dendrobates leucomelas "Bolivar" Ein Jungtier der genetzten Variante.

Dendrobates leucomelas ist ein mittelgroßer Pfeilgiftfrosch aus dem Tinctorius-Komplex. Die Heimat dieser gelb-schwarz gebänderten Baumsteiger ist der tropische Regenwald in Venezuela, Kolumbien und Guayana. Die Farbformen reichen von gelb über orange bis leicht grünlich gebänderten Tieren. Daneben findet sich eine genetzte Farbform, welche von einigen Züchtern durch entsprechende Auswahl der Elterntiere aus gebänderten Farbformen nachgezüchtet oder besser gesagt, nachempfunden werden. Ich halte von solchen zweifelhaften Maßnahmen überhaupt nichts und lehne dieses ab. Die genetzte Farbform ist in meinen Augen mit Recht eigenständig und sollte es durch lupenreines Züchten auch bleiben. Der tagaktive Pfeilgiftfrosch wird zwischen drei und vier Zentimeter groß, wobei die Männchen gerne etwas kleiner bleiben. Diese Pfeilgiftfrösche können im Terrarium bei artgerechter Haltung ein Alter von bis zu 15 Jahren erreichen. Die Geschlechter sind nur schwer auseinander zu halten. Allgemein gilt zwar, dass die Weibchen dieser Dendrobatiden etwas größer und fülliger sind als Männchen, aber wirklich sicher kann man sich erst sein, wenn man das Männchen beim Rufen beobachten kann. Dieser Ruflaut kann als ein relativ lautes und anhaltendes Trillern beschrieben werden. Bei exzellenter Haltung und abwechslungsreicher Fütterung fangen die Männchen bereits nach 4 Monaten, anfangs noch zögerlich und leise, an zu üben. Die Weibchen benötigen bis zur Geschlechtsreife deutlich länger. Erste Gelege kann man ab dem 12. Monat erwarten.
Kleines Bild oben: Dendrobates leucomelas "Bolivar" Ein Jungtier der genetzten Variante.


| Ruflaut von Dendrobates leucomelas |

Das legebereite Weibchen folgt seinem Ruf und streichelt mit den Forderbeinen seinen Rücken. Nun suchen beide nach einer geeigneten Legestelle an Land. Nach der Eiablage betreibt das Männchen Brutpflege, indem es das Gelege in regelmäßigen Abständen bewässert. Nach dem Schlüpfen der Quappen transportiert das Männchen diese einzeln, auf dem Rücken tragend, in kleine Wasseransammlungen oder in Bromelientrichter, die nicht austrocknen. Von diesem Zeitpunkt an sind die Quappen von Dendrobates leucomelas auf sich allein gestellt. Sie ernähren sich jetzt von Algen, Mulm und Kleinstinsekten.

Die Anschaffung

Leider werden noch immer illegale Wildfänge im Handel und besonders auf Messen und Börsen verkauft. Die Dunkelziffer ist wie immer deutlich höher, wie zugegeben wird. Dieser Umstand liegt im gesunden Schlaf der zuständigen Behörden begründet. Die Tiere sitzen teilweise Tagelang in viel zu kleine Plastikdosen ohne Rückzugsmöglichkeiten und all zu oft ohne Bodensubstrat. Nicht einmal die Temperaturbedingungen der empfindlichen Pfeilgiftfrösche werden berücksichtigt. Der Verkauf geschieht vollkommen unkontrolliert und nicht selten, ohne die erforderlichen Papiere. Es werden in den meisten Fällen noch nicht einmal die Personalien des Verkäufers überprüft, so dass spätere Reklamationen kaum noch möglich sind. Kaufen Sie daher nur bei einem Züchter, dessen Zuchtanlage Sie selber gesehen haben und von dessen fachlichen Kompetenz Sie sich selber überzeugen konnten. Lassen Sie sich die Elterntiere sowie weitere Quappen oder Gelege zeigen. Prüfen Sie alle Angaben auf Plausibilität. "DIE FRÖSCHE HABE ICH SELBER GEZÜCHTET" -kann jeder behaupten, der auch skrupellos genug ist, einen gefälschten Herkunftsnachweis auszustellen.

Aber noch wichtiger ist es,
sich selber die Frage zu stellen, ob man in der Lage ist, diese anspruchsvollen Tiere artgerecht zu halten.

Das Gift:
Wenn man, so wie ich es mache, sich mit Pfeilgiftfröschen befasst, kommt man natürlich um das Thema Gift nicht herum. Pfeilgiftfrösche scheiden durch ihreDendrobates leucomelas Britisch-Guayana orange Haut eingelagerte Gifte aus, die je nach Art tödlich sein können. Dabei handelt es sich um das Alkaloid Batrachotoxin, eine Substanz, die zu den wirksamsten Giften überhaupt gehört. Es wirkt, wenn es in die Blutbahn gerät, vor allem auf Nerven und Muskeln. Es unterbricht die Reizleitung und ruft Lähmungserscheinungen am Körper sowie der Atemorgane hervor. Auf gesunder Haut zeigt es keine Wirkung, verursacht jedoch bei der kleinsten Hautverletzung einen starken, lang anhaltenden Schmerz. Die größte Menge des Giftes produziert der "schreckliche Pfeilgiftfrosch", Phyllobates terribilis. Er besitzt auf seiner Haut genug Batrachotoxin, um 10 erwachsene Menschen zu töten. Die eigentliche Rolle der Gifte von Amphibien, so heißt es in der Fachwelt, ist der Schutz gegen Bakterien und Pilze, die auf der immer feuchten Haut ansonsten optimale Wachstumsbedingungen vorfinden würden. Die Hautgifte wirken besonders gut gegen die Erreger, die im Biotop der jeweiligen Amphibienart vorkommen. Ich halte diese Annahme in Verbindung mit Pfeilgiftfröschen jedoch für fragwürdig. Weshalb sollte eine Tierart in der Evolutionsgeschichte ein solch starkes und vor allem, ein auf Nerven gerichtetes Gift entwickeln, wenn es nur Bakterien und Pilze abwehren möchte. Da gäbe es weitaus unspektakulärere Möglichkeiten sich zu schützen. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Keimzahl in Tropischen Regenwäldern gegenüber anderen Orten auf unserer Erde erstaunlich gering ist. Ich halte die enorme Giftigkeit mancher Pfeilgiftfroscharten für einen gezielten Angriff auf Fressfeinde, da die sehr hohe Artenvielfalt im Regenwald auch eine hohe Anzahl dieser vermuten lässt. Zumal in Gefangenschaft gehaltene Pfeilgiftfrösche erstaunlich gut mit unseren hohen Keimzahlen zurechtkommen -und dieses, obwohl sie Ihre Giftigkeit verloren haben. Auch andere giftige Tierarten haben ihre Giftigkeit nur zum Schutz vor Fressfeinden entwickelt oder zur Bewältigung großer Beutetiere. Nicht auf dem Speiseplan Anderer zu stehen, ist hier ein klarer Vorteil, der zum sicheren Fortbestand beiträgt. Ein weiteres Indiz für diese Annahme ist die auffällige Färbung der meisten Pfeilgiftfrösche. Eine klare Botschaft an potentielle Fressfeinde, die besagt: "ICH BIN GIFTIG".

Kleines Bild oben rechts: Weitestgehend unbekannt als Terrarientier und entsprechend selten nachgezüchtet, wird die orange Variante Dendrobates leucomelas "Britisch-Guayana". Auch hier ist eine deutliche Signalfärbung zu beobachten. Wer ein solches Exemplar besitzt und/oder mehr darüber zu berichten weiss, sollte unbedingt Kontakt mit mir aufnehmen.

Trotz der immensen Giftigkeit
mancher Pfeilgiftfrösche, braucht man sich als Terrarianer normalerweise keine Gedanken zu machen. In Gefangenschaft aufgezogene Pfeilgiftfrösche sind ungiftig! Jedenfalls sind sie nicht giftiger wie einheimische Frösche. Wildfänge verlieren ihre Giftigkeit jedoch sehr langsam, da die Frösche bei der täglichen Häutung, ihre alte Haut auffressen und somit das Gift erneut aufnehmen. Aus diesem Grund sollte man sich nur Tiere zulegen, dessen Herkunft bekannt und auch wirklich gesichert ist. Ein angeblich nachgezüchteter Pfeilgiftfrosch, der sich später jedoch als giftiger Wildfang entpuppt, ist keine wirkliche Bereicherung. Inzwischen ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Tiere zur Einlagerung ihres Giftes bestimmte Nahrungskomponenten benötigen, welche wir natürlich nicht füttern. Aus welchen Insekten genau die Frösche in der Natur ihre Gifte beziehen und wie sie sich selber dagegen schützen, ist aber noch nicht vollständig erforscht. Vermutet werden jedoch Käfer der Gattung Choresine aus der Familie Melyridae. Die Vorkommensdichte dieser Käfergattung wurde mit der Giftigkeit der dort lebenden Pfeilgiftfrösche verglichen und gewisse Parallelen entdeckt. Auch hier möchte ich meine Zweifel aussprechen. Dieser Käfer ist zumindest für kleine Pfeilgiftfroscharten als Futterinsekt zu groß. Somit erwarte ich für die Zukunft noch weitere Erkenntnisse zu diesem Thema. In Kolumbien verwenden Chocó-Indianer Batrachotoxin, welches übrigens sehr lange haltbar ist, als Pfeilgift für Blasrohre wodurch die Frösche ihren Namen erhielten. Der wissenschaftliche Name "Dendrobates" entstammt den griechischen Wörtern "dendro" = Baum und "bates" = Läufer. "Baumläufer oder Baumsteiger".

Schutzstatus:
Dendrobates leucomelas wird im Anhang II des Washingtoner Artenschutzgesetzes gelistet bzw. Anhang B der EU-ArtSchVO(EG).

| Download: Vorlage Herkunftsnachweis Info:
Vorlage für einen Herkunftsnachweis als Worddokument.
| Download: Vorlage  Zu- Abgangsanzeigen Info:
Vorlagen für Zu und Abgangsanzeigen als Excel-Dokument.
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Daraus ergibt sich, dass die neu erworbenen Dendrobatiden innerhalb von 14 Tagen bei der zuständigen Behörde (z.B. Untere Landschaftsbehörde) unter Vorlage der Cites oder des Herkunftsnachweises gemeldet werden müssen. Auch alle späteren Nachzuchten, Bestandsänderungen durch Abgabe oder Tod müssen der Behörde sofort gemeldet werden. Die Anmeldung bei den Behörden ist kostenlos.

Die Haltung von Dendrobates leucomelas im Terrarium:

Die Haltung von Dendrobates leucomelas im Terrarium.Ich halte meine Frösche in dicht bewachsenen Terrarien bei einer Luftfeuchtigkeit um 80%. Nachts steigt diese auf über 90% an. Dieses erreiche ich durch langsames Überfluten der gesamten mit Xaxim beklebten Rückwand. Nachts wird die Pumpe zusammen mit dem Licht ausgeschaltet. Dadurch trocknet das Xaxim ab und darauf wachsende Pflanzen fangen nicht an zu faulen. Springschwänze nutzen übrigens die Nachtstunden um die Rückwand sauber zu fressen. Dieses beobachtete ich, als ich nachts mit einer Taschenlampe ein Terrarium nach den Schlafplätzen meiner Frösche durchleuchtete. Die Temperaturen bewegen sich tagsüber um 27°C in mittlerer Höhe gemessen und fallen in der Nacht auf 22°C ab. Diese Temperaturen erreiche ich ausschließlich über 3 St. T5 Leuchtstoffröhren, die über eine Zeitschaltuhr 12 Std. eingeschaltet werden. Im Winter gönne ich den Fröschen eine Ruhephase von 3 Monaten, indem ich die Beleuchtungsdauer auf 11 Std. und die Temperaturen durch Ausschalten einer Leuchtstoffröhre um 2-3°C reduziere. Die Belüftung erfolgt über zwei PC-Lüfter im oberen Deckelbereich, die ebenfalls über die Schaltuhr der Beleuchtung eingeschaltet werden. Diese laufen sehr langsam und schaufeln so die warme Luft der Leuchtstoffröhren nach unten gegen die Frontscheibe. Dadurch trocknet am Morgen die durch die hohe Luftfeuchtigkeit der Nachtstunden noch beschlagene Scheibe sehr schnell ab. Zur Zeit experimentiere ich mit ganzflächig beheizbarem Glas ohne Heizdrähte. Beschlagene Scheiben gehören auch bei 95% Luftfeuchtigkeit nun der Vergangenheit an. Auch wenn ein gut eingefahrenes Terrarium nur eine geringe Geruchsbelästigung darstellt, so lässt sich die Raumluft, durch ein am Lüftungsgitter aufgehängter Kaffee-Pad, doch deutlich verbessern. Durch die enorme Oberfläche von Kaffeepulver, ist es in der Lage wochenlang Gerüche zu absorbieren.

Regenanlage? Fehlanzeige!
Auch ein Vernebler kommt nicht zum Einsatz. Da ist gute alte Handarbeit gefragt. Mit einer Sprühflasche wird jedes Terrarium individuell mit Regen versorgt. In keinem Regenwald der Welt gibt es jeden Tag um die gleiche Zeit die gleiche Menge Niederschlag. Dendrobates leucomelas mag eine hohe Luftfeuchtigkeit, aber kein ewig nasses Umfeld. Ein gut Wasser speicherndes Bodensubstrat und eine sehr üppige Bepflanzung sorgen automatisch für ein ideales und auch abwechslungsreiches Klima ohne nasse Oberflächen. Eine abgetrocknete Oberfläche erwärmt sich auch besser wie eine nasse. Zwischen feucht und nass liegen ganze Welten und auch der Schlüssel zu mehr Erfolg. In meinen Terrarien wird man nie Bauschaum, Styropor oder andere nicht saugfähige Materialien finden. Saugfähiges Volumen ist zwar sehr schwer - aber wir wollen unsere Terrarien schließlich nicht durch die Wohnung tragen, sondern harmonisch in unsere Wohnlandschaft fest installieren. In dem Moment, wo wir alles automatisieren, sind wir Technikfreaks und keine Froschhalter mehr. Die Froschhaltung bringt so viel Arbeit mit sich, dass es auf ein bisschen Sprühen nicht ankommt. Man möchte sein Hobby schließlich ausleben. Ich bin aber auch nur ein kleiner Züchter mit nur wenigen Becken und achte sehr darauf, dass mein Hobby nicht in ein Sammelsurium mit zahllosen Terrarien und Froscharten ausartet. Dieses halte ich für wichtig, da man ansonsten den Überblick verliert und die Qualität darunter doch stark leidet. Ein gut funktionierendes Terrarium übersteht auch locker eine 14-tägige Urlaubsreise, ohne Verwandte und Bekannte bitten zu müssen, nach dem Rechten zu sehen.

Futter und Fütterung: Die eigene Futtertierzucht oder Lebendfutter aus der freien Natur?

Gefüttert werden meine Pfeilgiftfrösche mit unterschiedlichen Arten von Fruchtfliegen (Drosophila) und dessen Maden, Erbsenblattläuse, Tripse, Springschwänze, Ofenfischchen, mikro- Heimchen oder Grillen, tropische Asseln sowie Weizenkäfer und Bohnenkäfer aus der eigenen Zucht. In den frostfreien Monaten füttere ich zusätzlich, soweit vorhanden, täglich mit Wiesenplankton, Bodeninsekten, Milben und Blattläuse aus der freien Natur. Aber dazu komme ich weiter unten noch ausführlich zu sprechen.

WiesenplanktonVitamin und Mineralstoffpulver?
Auch hier Fehlanzeige! Wichtiger wie eingestäubte und dadurch immer gleich schmeckende Futtertiere sind abwechslungsreiche und gesunde Futtertiere. Kein in der freien Natur lebender Pfeilgiftfrosch frisst am Tag X nur Springschwänze und am Tag darauf nur Fruchtfliegen. Meine Tiere erhalten täglich alle zur Verfügung stehenden Futtertiere. So finden meine Frösche mal ein Ofenfischchen, gefolgt von einer kleinen Spinne und als nächstes vielleicht einen Bohnenkäfer oder eine Erbsenblattlaus. Alle Futtertiere werden gesamtflächig im Terrarium verteilt angeboten und zum Teil sogar im Terrarium nachgezüchtet. Dadurch streifen meine Tiere den ganzen Tag durch ihr Zuhause und sind mit der Futtersuche beschäftigt. Aber um auf das Thema Vitamin und Mineralstoffpulver noch einmal zurückzukommen. Ich bin mir auch darüber im Klaren, dass in Großstätten lebende Froschhalter nicht die Möglichkeiten wie ich Landei haben, immer ausreichend unbelastetes Wiesenplankton zu finden.

Deshalb mein Tipp:
An Stelle die Futtertiere zu bestäuben, können Sie Taufliegen (Drosophilidae) auch Frucht-, Obst-, Gär-, Most- oder Essigfliegen genannt, über den Nährbrei mit Vitaminen und Mineralien anreichern. Ich verwende verschiedene Nährbreie für meine Fruchtfliegenzucht. So erhalte ich, übertrieben gesagt, Fruchtfliegen mit z.B. Bananengeschmack, Traubengeschmack oder saure mit Essig/Weingeschmack. Zur Zeit experimentiere ich sehr erfolgreich mit probiotischem Joghurt. Probiotische Zellkulturen und Bakterien haben auf junge Dendrobatiden einen nicht unerheblichen Einfluss auf die:

Taufliegenzucht (Drosophilidae) auch Frucht-, Obst-, Gär-, Most- oder Essigfliegen genannt

 
Über die Fruchtfliegen lassen sich so ziemlich alle erdenklichen Stoffe auf die Frösche transportieren. Dabei sollte man wissen, dass am 3. Fütterungstag der höchste Anteil der aufgenommenen Stoffe erreicht ist und die Fruchtfliegen verfüttert werden können. Fruchtfliegen lassen sich übrigens prima dosiert und über den gesamten Tag hin verteilt, über einen möglichst kurzen Schlauch von der Zuchtdose aus, ins Terrarium schleusen. Diese Methode wende ich nicht wegen der Arbeitserleichterung an, sondern weil ich dadurch permanent ein Futterangebot realisieren kann. Alle Futtertiere, die ich selber züchte, erhalten ebenfalls nur das Beste an Futter und werden mit der gleichen Aufmerksamkeit gezüchtet wie meine Frösche.

Lebendfutter aus der freien Natur.
Sie werden sich sicherlich die Frage stellen: „Wie schafft man es nur, diese großen Mengen an Futter zu fangen?”. Dazu bediene ich mich einer alten und vielleicht auch in Vergessenheit geratenen Technik. Ich verwende einen großen Metalleimer in dessen Boden ich ein Edelstahlgitter mit einer MaschenweiteDer Berlesetrichter: Eine über dem Eimer hängende Wärmelampe trocknet die Walderde langsam aus. Die in der Walderde lebenden Futterinsekten wandern immer weiter nach unten und fallen in den Auffangbehälter. von nur 2 mm einklebe. Dieser Eimer wird mit feuchter Walderde, Moosplatten, Baumrinde oder Laub gefüllt. Es ist sehr wichtig nur die obere Bodenschicht, in denen sich vermehrt die Insekten aufhalten, zu verwenden. Nun stelle ich diesen Eimer über einen geeigneten und dicht abschließenden Auffangbehälter mit feuchter Holzwolle, wo sich die Insekten sammeln können. Eine über dem Eimer hängende Wärmelampe trocknet die Walderde nun langsam von oben nach unten aus. Die in der Walderde lebenden Futterinsekten wandern auf der Suche nach Feuchtigkeit immer weiter nach unten und fallen schließlich in den Auffangbehälter. Durch die geringe Maschenweite, können nur Futterinsekten in den Auffangbehälter fallen, die auch für uns als Futter in Frage kommen. Sie werden staunen, wie viel Leben in nur 10 Liter Walderde vorzufinden ist. Selbst in den Wintermonaten können beachtliche Mengen Lebendfutter unterschiedlichster Art auf diese Weise gefangen werden. Auch wenn mit bloßem Auge die Ausbeute gering zu sein scheint, der Anteil an mikro- Kleinstfutter ist beachtlich und von unschätzbarem Wert. Junge Kellerasseln, die ebenfalls durch die Maschen hindurch finden, werden entgegen der weitläufig verbreiteten Meinung in Fachkreisen, durchaus von den Pfeilgiftfröschen angenommen und können verfüttert werden. Frösche, die mit einem breiten Futterspektrum versorgt werden, zeigen eine deutlich höhere Futterakzeptanz wie jene, die nur Drosophila und Springschwänze kennen. Im Waldboden leben über 2.000 Arten Springschwänze oder Collembolen sowie unzählige Arten von Larven, Käfer, Spinnen, Hundert- und Tausendfüssler, welche allesamt gerne gefressen werden. Diskussionen über die Verträglichkeit einzelner Futtertiere, wie man sie in Foren im Internet immer wieder vorfindet, lassen bei mir die Nackenhaare steigen. Da wird von Darmvorfällen gesprochen, weil der Panzer vom Käfer zu hart oder der Wurm zu weich war. Wer passt in der Natur eigentlich darauf auf, dass der Frosch das richtige frisst? Ein, an ein breites Futterspektrum gewöhnter Pfeilgiftfrosch, bekommt keine Darmvorfälle. Nur einseitig ernährte Tiere bekommen bei plötzlichem Futterwechsel Probleme. In solchen Fällen sollte ein langsames umgewöhnen stattfinden. Wöchentlich ein mit Moos bewachsenes Stück Baumrinde zum absuchen, ist ein guter Anfang zu einer ausgewogenen Ernährung und sollte langsam gesteigert bzw. erweitert werden.

Wiesenplankton
Große Mengen Wiesenplankton fängt man an sonnigen Tagen mit dem Auto! Ich halte dazu einfach einen langen und geeigneten Käscher aus dem geöffneten Fenster und streife diesen bei 20 bis 30 KM/h über die Grasnarbe am Wegesrand ab. Verwenden Sie aber nur selten befahrene und chemisch unbelastete Landwirtschaftswege ab. Beachten Sie bitte auch die Naturschutzbestimmungen. Nicht alle Insekten dürfen gefangen und verfüttert werden. Wir wollen schließlich keinen Ärger!

Die eigene Futtertierzucht.
Ohne eine eigene Futtertierzucht geht es in der Pfeilgiftfroschhaltung natürlich nicht. In den Wintermonaten sind Futtertiere in Zoofachgeschäften teilweise Zuchtschrank für die eigene Futtertierzucht.wochenlang nicht erhältlich, da sie bei starkem Frost nur ungern verschickt werden und selbst Händler dadurch keine Wahre erhalten. Dann ist eine gut funktionierende Futtertierzucht Gold wert. Ich züchte meine Futtertiere zum größten Teil in umgebaute, sehr hohe Kühlschränke, welche nun als Wärmeschränke dienen. Eine handelsübliche Elektroheizung mit Thermostat aber ohne Gebläse in jedem Schrank, sorgt für ein enormes Temperaturgefälle. Während im unteren Bereich Temperaturen um 22°C herrschen, sorgt die aufsteigende warme Luft dafür, dass sich im oberen Bereich Temperaturen um 40°C bilden. Dort lassen sich in großen dunklen Kunststoffboxen hervorragend Ofenfischchen züchten. Weiter unten, wo sich Temperaturen um 30°C bilden, züchte ich Bohnenkäfer Grillen und Kornkäfer. Darunter, bei etwa 25°C, lassen sich Springschwänze und tropische Asseln züchten. Der Bereich zwischen 22°C - 24°C ist für die Fruchtfliegenzucht reserviert. Dort lassen sich auch Tripse nachzüchten. In diesem Bereich habe ich auch zwei Energiesparlampen mit Reflektor montiert, welche über eine Zeitschaltuhr 16 Stunden eingeschaltet werden. Diese versorgen meine darunter platzierten Erbsenpflanzen mit ausreichend Licht für meine Blattlauszucht. Durch die enorme Isolation von Kühlschränken, wird nur sehr wenig Energie verbraucht und ist dadurch äußerst effektiv. Dieses Verfahren funktioniert aber nur in kühlen Kellerräumen, wo die Temperaturen auch in den Sommermonaten nicht über 18°C steigen, - da die Elektroheizung sich sonst nicht häufig genug einschaltet und dadurch die hohen Temperaturen im oberen Bereich nicht erreicht werden können. Ein zweiter Thermostat im oberen Bereich sorgt bei 50°C für eine Zwangsabschaltung des gesamten Stromkreises. Dadurch wird ein Überhitzen vermieden und sorgt so für mehr Sicherheit.

Bild links: In einem umgebauten Kühlschrank lassen sich optimale Temperaturen für die eigene Futtertierzucht schaffen.

Genaue Zuchtanleitungen der einzelnen Futtertiere möchte ich zu einem späteren Zeitpunkt in einem gesonderten Bericht anbieten. Bis dahin müssen leider die ewig vererbten und dadurch teilweise hartnäckigen Lügen im Internet ausreichen. Nein, - Spaß bei Seite. So schlecht sind die im Internet angebotenen Zuchtanleitungen natürlich nicht. Sie ähneln sich nur teilweise im Wortlaut wie ein Ei dem Anderen. Da fragt man sich, warum man eigene Worte finden soll, die sich Jahrzehnte lang ungeprüft im Netz vermehren und andere Seiten schmücken.


Naturnahe Aufzucht von Dendrobates leucomelas

Die Quappenaufzucht erfolgt soweit es möglich ist, unter Einwirkung von Tageslicht in zuvor behandeltem Regenwasser. Zusammen mit einer ausgewogenen Ernährung entwickeln sich so kräftige und gesunde Jungfrösche. Nach der Metamorphose werden die jungen Pfeilgiftfrösche täglich mit Wiesenplankton, Springschwänzen, Fruchtfliegen, Erbsenblattläuse, Kornkäfer und Ofenfischchen aus der eigenen Futtertierzucht gefüttert. In den Sommermonaten wird fast ausschließlich Wiesenplankton angeboten. Dieses erhöht auch bei den Zuchttieren die Lebensgeister und die Qualität der Gelege. Die konsequente naturnahe Aufzucht belohnt mich mit einer Zucht fast ohne Ausfälle. Qualität ist eben auch Quantität. Zum Thema Streichholzbeinchen kann ich keinen besonderen Beitrag leisten, da meine Nachzuchten keine haben. Ich möchte aber die Vermutung ausstoßen, dass es unter anderem mit der gesunden Ernährung meiner Zuchttiere und deren Quappen zu tun haben könnte. Auch bei Dendrobatiden gilt, "JEDER IST, WAS ER ISST". Dass dieses auch für selbst gezüchtete Futtertiere gilt, habe ich weiter oben bereits erwähnt und würde, aufgrund der Bedeutsamkeit, es weiter unten gerne noch einmal tun.

Quappenaufzucht im Mini-Biotop: In bewachsene Aufzuchtbecher bleibt das Wasser lange Zeit stabil und die Quappen wachsen ohne Stress auf.Nach 80 bis 100 Tagen geht der fertige Pfeilgiftfrosch an Land.
Bild links: Kleine Mini-Biotope. In stark bewachsene Aufzuchtbecher bleibt das Wasser lange Zeit stabil. In Einzelfällen kann auf ein Wasserwechsel gänzlich verzichtet werden. Die Quappen wachsen aufgrund der Versteckmöglichkeiten stressfrei auf und haben ein deutlich besseres Futterangebot. Nach der Metamorphose hebe ich solche wertvollen Becher für spätere Quappen auf. Bild rechts: Nach 80 bis 100 Tagen geht der fertige Pfeilgiftfrosch an Land. Er besitzt bereits eine ausgeprägte Färbung, welche sich aber in den nächsten Monaten noch verschönert.

Die Aufzucht der Quappen von Dendrobates leucomelas:

Die Eiablage findet bei meinen Fröschen immer in kleinen Filmdosen statt, welche ich im gesamten Terrarium verteilt anbiete. Bei Dendrobates leucomelas Ein Gelege mit 6 Eiern in einer Filmdose.besteht die Gefahr, dass sie ihr Gelege nach einiger Zeit selbst zerstören oder auffressen. Deshalb entnehme ich das Gelege einige Stunden nach der Eiablage aus dem Terrarium. Gelegentlich überlasse ich auch kleine Gelege den Fröschen, damit sie ihre Brutpflege nicht verlernen. Nach der Entnahme der Eier schiebe ich das Gelege mit einem Löffel vorsichtig aus der Filmdose heraus und überführe es in einen Kunststoffbecher. Dort entferne ich vollständig und sehr vorsichtig die überschüssige Gallerte. Diese würde sonst das weitere Aufquellen der Eier behindern und die Quappen hätten weniger Platz für ihre Entwicklung. Nun gebe ich soviel Regenwasser in den Becher, dass die Eier gut umspült sind aber nicht überflutet werden. So im Wasser liegend, lassen sich eventuell auf dem Kopf liegende Eier leicht durch anstupsen wieder in die richtige Lage bringen. Ein wenig Javamoos und ein heller Standort erhöht den Sauerstoffgehalt im Wasser und baut Schadstoffe ab. Dieser Sauerstoff diffundiert durch die Eihüllen hindurch und steht den heranwachsenden Larven zur Verfügung. Ein leicht aufgelegter Deckel mit kleinen Löchern verhindert ein zu schnelles Austrocknen. Der Wasserstand muss aber dennoch regelmäßig geprüft und korrigiert werden. Bei zu niedrigem Wasserstand werden die Eier an der aus dem Wasser herausschauenden Oberfläche zäh und können nicht weiter aufquellen. Bei Bedarf kann man den Quappen auch Schlupfhilfe leisten, indem man die Eihülle vorsichtig mit zwei Stecknadeln auseinander zieht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man Frühchen besser helfen kann wie Spätzünder, die zu lange in der Eihülle steckten und unter Sauerstoffmangel litten. Wenn sich die Außenkiemen schon im Ei zurückbilden, ist es höchste Zeit für eine Schlupfhilfe. Auch das Männchen würde durch die starken Bewegungen der Quappen angeregt, durch trampelnde Bewegungen eine Art Schlupfhilfe leisten.

Bild oben: Ein Gelege mit 6 Eiern in einer Filmdose.

Nach dem Schlüpfen der Quappen,
werden sie in kleine Aufzuchtanlagen überführt. Der Wasserstand beträgt in den ersten 3 Tagen nur 1 cm. Danach wird dieser täglich um wenige mm erhöht.Quappenstation Sobald die Quappen zu groß geworden sind, werden sie noch einmal in 250 ml. Plastikdosen, welche bereits mit Regenwasser, ein Buchenblatt, Moos, Muschelkalk und Algen im Freien gestanden haben, überführt. Dadurch, dass die Becher einige Tage im Freien standen, haben sich an den Wandungen Algen und Bakterienkulturen gebildet, welche sich wieder positiv auf die nachembryonale Entwicklung der Quappen auswirken. Muschelkalk, Moos und Buchenblätter stabilisieren das Wasser so sehr, dass nur noch sehr selten ein  Wasserwechsel nötig ist. Das dazu verwendete Regenwasser wird ebenfalls im Vorfeld mit den oben erwähnten stabilisierend wirkenden Maßnahmen vorbehandelt. Gefüttert wird in den ersten Tagen mit Detritus auch Mulm genannt, Algen und selbst hergestelltem Brennnesselpulver. Nach etwa 4 Tagen wird mit einem Spezialfutter welches ich ebenfalls selber herstelle zugefüttert. Auf keinen Fall sollte man auf fertiges Fischfutter (besonders Flockenfutter) zurückgreifen, da es zu viele Nachteile mit sich bringt. Zum einen schmeckt es den Quappen einfach zu gut um noch Mulm und Anderes, ebenfalls für die Quappen lebensnotwendiges Futter zu fressen. Zum anderen verdirbt es unser Wasser schon nach wenigen Stunden, da es sehr schnell Duft und Geschmacksstoffe verliert und dadurch nicht vollständig aufgefressen wird. Auch die Ausscheidungen der Quappen können sich bei Fischfutter negativ verändern, da unsere Quappen aufgrund ihres speziellen Futterspektrums ein anderes Verdauungssystem aufweisen wie Fische. Nicht alle darin enthaltene Inhaltsstoffe werden vollständig verdaut und gelangen somit wieder in unser Wasser und lassen dieses verderben. Mein verwendetes Futter hingegen stabilisiert sogar das Wasser. Es besteht aus einem geringen Anteil "Sofortfutter" und einem hohen Anteil "Langzeitfutter", welches sich durch Zersetzung erst nach einiger Zeit zu einem verwertbaren Quappenfutter entwickelt. Dadurch steht den Kaulquappen permanent ein hervorragendes und natürliches Futterangebot zur Verfügung ohne unser Minibiotop zu belasten. Ab dem 7. Tag füttere ich zusätzlich mit Lebendfutter. Dabei schöpfe ich die Wasseroberfläche meiner Regentonne nach Mückenlarven und auf der Wasseroberfläche liegende (auch tote) Anfluginsekten ab. Dabei haben sich ertrunkene Anfluginsekten als besondere Leckerbissen erwiesen. Besonders aufgeweichte Wespen werden gerne gefressen. Man sollte aber keine mit Fischen besetzten Teiche abschöpfen, da Fische oft an Pilz leiden und unsere Quappen befallen können. Ich habe diese Erfahrung selber gemacht und nur durch konsequente Entsorgung aller, mit dem Wasser in Berührung gekommenen Gegenstände und Quappen, wieder in den Griff bekommen.

Naturnahe Aufzucht kann eben auch der natürliche Tod sein.
Ich verwende daher nur meine eigenen Regentonnen, die ich selber zu 100 Prozent kontrolliere. Wo ich gerade bei Regenwasser bin. Regenwasser ist nicht gleich Regenwasser. Die ersten Liter nach einer langen Trockenzeit enthalten besonders im Frühjahr einen hohen Anteil an Blütenpollen. Diese sind ein hervorragendes Aufzuchtfutter für frisch geschlüpfte Quappen und wird von mir in separate Kanister abgefüllt. Leider ist die Haltbarkeit sehr begrenzt. Man kann aber auf der Oberfläche schwimmende Pollen abschöpfen und trocknen lassen. Diese halten sich einige Monate. Ist die Luft einmal sauber geregnet, erhalten wir sehr sauberes Regenwasser, welches ich zur Überbrückung von Trockenzeiten in Kanister abfülle. Ich werfe immer noch ein Stück Muschelkalk und ein Buchenblatt in den Kanister. Buchenblätter versauern das Wasser nicht so stark wie Eichenblätter, welche ebenfalls oft als geeignet beschrieben werden.

Kaulquappenfutter selber herstellen.
Um Quappenfutter selber herstellen zu können, muss man sich zunächst die Frage stellen, woraus die natürliche Nahrung der Kaulquappen besteht. Schauen wir uns deshalb das natürliche Umfeld einer Quappe genauer an. Die Zum zerkleinern und mahlen der einzelnen Zutaten ist eine Kaffeemühle mit Schlagwerk ein unverzichtbares Utensil.Kaulquappen von Dendrobates leucomelas sitzen in kleinste Wasseransammlungen wie z.B. Bromelien und Astlöcher. Diese sind ausschließlich mit Regenwasser gefüllt. Regenwasser ist vom Ursprung her sehr sauber und enthält nur wenig Keime sowie gelöste Inhaltsstoffe. Die nötige Nahrung gelangt also zum großen Teil in Form von Luftplankton in unser Kleinstbiotop. Biologische Organismen wie z. B. winzige Tiere (Gewittertierchen, Spinnen) oder Bestandteile wie Pollen, Sporen und Pflanzenteile werden durch den Wind auf die Wasseroberfläche getragen. Hinzu kommen einige im Wasser lebende Insektenlarven. Im Minibiotop entwickeln sich aber auch Algen, und durch bakterielle Zersetzung Mulm. Dieser Mulm besteht zu einem großen Teil aus Mikroorganismen (Einzellern), Bakterien und Spurenelementen. Es bietet eine ideale Siedlungsfläche für Nitrobacter (Nitratbakterien) die Schadstoffe abbauen und dadurch das Wasser weiter stabilisieren. Wichtig dabei ist, ein hoher Sauerstoffanteil im Wasser, welcher sich mit Moos und einer hellen Umgebung verwirklichen lässt, da es sonst zu Fäulnisbildung kommt. Manchmal fallen auch größere Insekten ins Wasser und finden den Weg nicht mehr hinaus und ertrinken. Daraus gewinnen wir die Erkenntnis, dass sich unsere Quappen von zahlreichen pflanzlichen und tierischen Bestandteilen ernähren. Um ein gutes Futter selber herstellen zu können, müssen wir versuchen dieses natürliche Geschehen nachzubilden. Um ein möglichst naturidentisches Ergebnis zu erhalten, schöpfe ich mit einem sehr feinmaschigen Käscher die Wasseroberfläche meiner Regentonnen ab und lasse alle Inhaltstoffe trocknen. Danach wird es fein zermahlen und bis zur weiteren Verarbeitung in kleine Kunststoffbecher aufbewahrt. Überschüssige Futterinsekten meiner Frösche werden ebenfalls getrocknet und zerkleinert. Nun haben wir schon zwei wichtige Komponenten die etwa die Hälfte unseres fertigen Quappenfutters ausmachen. Die zweite Hälfte besteht aus Walnussbaumblätter, Brennnesselblätter, Eichenblüten und Buchenblätter, sowie zahlreiche Blütenpollen und Samen. Ein nicht unerheblicher Anteil besteht aus Verunreinigungen die bei der Ernte der einzelnen Komponenten mit eingesammelt werden. Darunter zählen Vogelkot, Vogelfedern, kleine Raupen und dessen Häutungsreste sowie andere kleinste Insekten. Besonders bei der Ernte von Eichenblüten im Frühjahr werden große Mengen dieser durchaus gewollten Verunreinigungen mit eingesammelt. Lediglich unnatürliche Stoffe sowie Steinchen und grobe Zweige werden aussortiert. Alle gesammelten Zutaten werden getrocknet, gemahlen und im richtigen Verhältnis gemischt. Das richtige Mischungsverhältnis möchte ich nur im Groben ansprechen, da ein gewisses Maß Bauchgefühl und Experimentierlust durchaus Sinn macht. Schließlich sollen Sie es lernen und nicht nur nachmachen.

Bilder oben: Zum zerkleinern und mahlen der einzelnen Zutaten ist eine Kaffeemühle mit Schlagwerk ein unverzichtbares Utensil. Mühlen mit Mahlwerk sind dagegen unbrauchbar, da kleine Steine diese sofort zerstören würden.

Quappenfutter selber herstellen.

Bilder oben von links nach rechts. Bild 1: Eichenblüten. Bild 2: Mit einer Kaffeemühle gemahlene Zutaten. Bild 3: Fertiges Quappenfutter. Bild 4: Walnussbaumblätter.
Sie werden auch gerne als Blatt gefressen. Wirkt antibakteriell und fungizid.

Zutatentabelle: Volumenmengen in Prozent

Zutaten Menge Sinn und Zweck / Bemerkung
Luftplankton 25% (Direkt und Langzeitfutter) Winzige biologische Organismen wie z. B. winzige Tiere (Gewittertierchen, Spinnen) oder Bestandteile wie Pollen, Sporen und Pflanzenteile. Frühjahr bis Herbst von der Wasseroberfläche abschöpfen um ein breites Spektrum zu erhalten.
Insekten 25% (Direktfutter) Alle Arten von Insekten. Getrocknete Mückenlarven und Bachflohkrebse können auch in Zoohandlungen fertig gekauft werden.
Walnussbaumblätter 30% (Direkt und Langzeitfutter) Die noch grünen Blätter vom Baum pflücken und trocknen. Wirkt antibakteriell und fungizid. Bildet durch Zersetzung sehr schnell Mulm welches sehr wichtig für die Quappen ist.
Algen 10% (Direktfutter Wasserstabilisierend)
Erlenzapfen 1% (Sehr Wasserstabilisierend Langzeitfutter) Bildet durch Zersetzung Mulm..
Buchenblätter 3% (Die austretende Huminsäure wirkt auf das Wasser stabilisierend - Langzeitfutter) Im Herbst das abgefallene Laub verwenden. Bildet durch Zersetzung Mulm.
Eichenblüten 1% (Die austretende Huminsäure wirkt auf das Wasser stabilisierend - Langzeitfutter) Im Frühjahr die unter den Eichen liegenden Blüten abrechen. Bildet durch Zersetzung Mulm.
Brennnesselblätter 1% (Direktfutter) Bringt das Wasser aber sehr schnell zum Kippen. Daher die geringe Menge.
Brombeerblätter 1% (Langzeitfutter) Bildet durch Zersetzung  Mulm.
Gräsersamen 1% (Langzeitfutter) Bildet durch Zersetzung  Mulm.
Muschelkalk / Eierschale 0,5% Wasserstabilisierend und wichtig für den Knochenbau.
Freiraum für Experimente 1,5% Freiraum für eigene Experimente. Weitere zahlreiche Laubbäume eignen sich für die Blatternte.

Als ergänzende Futterquelle,
haben sich Walnussbaumblätter bestens bewährt und sind deshalb in meinem Futter schon zu 30% enthalten. Sie werden von den Kaulquappen auch gerne als Blatt abgeraspelt. Sie haben zudem eine starke antibakterielle sowie fungizide Wirkung. Sogar Wasserschimmel (Saprolegnien / Fischschimmel), welcher bei niedrigen Temperaturen gerne auf Futterresten entsteht und auf die Kaulquappen übergreifen kann, lässt sich mit Walnussblättern unterdrücken und in Zusammenhang mit Zimtstangen aus dem Reformhaus und hohen Temperaturen um die 30°C gut und erfolgreich behandeln. Grundsätzlich sind Pilzinfektionen bei Kaulquappen immer die Folge irgendeiner vorangegangenen Schädigung, sei es nun eine Verletzung, eine Hautschädigung durch Parasiten oder eine umweltbedingte Störung wie Wasserqualität, Temperatur oder eingeschleppte schon mit Saprolegnien befallene Pflanzen und Tiere. Wer selber nicht die Gelegenheit hat, die noch grünen Blätter des Walnussbaumes im Herbst zu sammeln und zu trocknen, der kann auch welche bei mir bestellen. Häufig verpilzen junge Kaulquappen an, im Schlund hängen gebliebene Futterreste. Deshalb füttere ich in den ersten zwei Wochen nur kleinstes Futtermaterial. Mit einer Kaffeemühle (unbedingt eine mit Schlagwerk verwenden) bekommen wir Staubfeines Quappenfutter welches sich einfach mit einer Messerspitze dosieren lässt.

Ein frisches Gelege von D. leucomelas.Nach etwa 10 Tagen haben sie dieses Stadium erreicht.Nach etwa 16 Tagen schlüpfen die 2 cm großen Quappen.Eine Quappe dessen Hinterbeine voll entwickelt sind. Die Umfärbung hat begonnen.

Bilder oben von links nach rechts. Bild 1: Ein 3 Tage altes Gelege von D. leucomelas. Bild 2: Nach etwa 10 Tagen haben sie dieses Stadium erreicht. Bild 3: Nach etwa 16 Tagen schlüpfen die 2 cm großen Quappen. Bild 4: Eine Quappe dessen Hinterbeine voll entwickelt sind. Die Umfärbung hat begonnen.

Nach gut 90 Tagen haben sich auch die Vorderbeine entwickelt und die Umfärbung ist in vollem Gang.Nach dem Landgang überführe ich die jungen Dendrobatiden in dicht bewachsene und stark mit Springschwänzen angeimpfte Aufzuchtterrarien.

Bild oben links: Nach gut 90 Tagen haben sich auch die Vorderbeine entwickelt und die Umfärbung ist in vollem Gang. Bild oben rechts: Nach dem Landgang überführe ich die jungen Dendrobatiden in dicht bewachsene und stark mit Springschwänzen angeimpfte Aufzuchtterrarien.

Sobald die Vorderbeine der Dendrobatiden entwickelt sind,
senke ich den Wasserstand auf etwa 3 cm und gebe noch einen, aus dem Wasser ragenden Stein als Ausstiegshilfe hinein. Ab diesem Zeitpunkt frisst die Quappe nur noch etwa 2-3 Tage. Danach resorbiert sie innerhalb weniger Tage ihren Schwanz und die Mundpartie verändert sich zu dem froschtypischen Maul. Kurz vor dem anstehenden Landgang übergebe ich den Becher in ein gut bewachsenes und stark mit Springschwänzen angeimpftes Aufzuchtterrarium. In solch stark bepflanzten Terrarien wachsen die Jungfrösche deutlich schneller heran wie in sterilen Kleinstterrarien. Der deutlich höhere Anteil an Mikro-Kleinstfutter und der geringere Stress dürften dafür verantwortlich sein. In den ersten Tagen bleiben die Jungtiere noch in Wassernähe um bei Gefahr schnell abtauchen zu können. Aber nach und nach entfernen sie sich immer weiter von ihrer vertrauten Umgebung und suchen schließlich im gesamten Terrarium nach Futter, guten Verstecklätzen und Aussichtspunkten.
Wenige Tage nach dem Durchbrechen der Vorderbeine nehmen die Kaulquappen keine Nahrung mehr auf und das Kaulquappenfutter kann eingestellt werden.Durch das hervorragende Quappenfutter entwickeln sich prächtige Jungfrösche.Noch im Wasser sitzend, fangen die jungen D. leucomelas an kleinste Futterinsekten zu fressen.Die weitere Pflege von Dendrobates leucomelas unterscheidet sich kaum von den erwachsenen Tieren.
Weitere Bilder über D. leucomelas, deren Gelege und Quappen  finden Sie in der Diashow

Die weitere Pflege der Jungfrösche unterscheidet sich kaum von den erwachsenen Tieren. Zusätzlich zu den immer vorhandenen Springschwänzen füttere ich täglich mit Fruchtfliegen, Tripse, (Werden auch als Gewitterwürmchen oder Gewitterfliegen bezeichnet.) sowie Kornkäfer (Sitophilus granarius) und frisch geschlüpfte Ofenfischchen. Außerdem füttere ich mit Wiesenplankton, kleinen Spinnen, Milben und Blattläusen. Letztere lassen sich hervorragend mit einer Taubenfeder von Rosen und Disteln in einen kleinen Becher abfedern. Erbsenblattläuse lassen sich auch gut und in großen Mengen selber züchten. Da Blattläuse geradezu mit Pflanzensäften voll gesogen sind, enthalten diese viele Vitamine und sind deshalb als sehr wertvoll Anzusehen. Von Zeit zu Zeit lege ich ein aus der Natur entnommenes Stück Baumrinde in das Aufzuchtterrarium. Dieses wird geduldig von den Fröschen nach Kleinsttieren abgesucht. Diese simple Methode stellt eine enorme Futtererweiterung dar, welche durch kein Vitaminpulver der Welt ersetzt werden kann. Nach zirka 10 Monaten werden die weiblichen Frösche geschlechtsreif und fangen an selber Gelege zu produzieren. Die ersten Gelege von Dendrobates leucomelas sind allerdings oft von minderer Qualität oder unbefruchtet und verpilzen daher. Überhaupt ist es nicht leicht ein legendes Pärchen zusammenzustellen. Auch ein bereits legendes Pärchen kann die Produktion ohne erkennbaren Grund Monate lang einstellen. Häufig sind es für uns nur kleine Veränderungen im Terrarium, die solche Verhaltensänderungen nach sich ziehen. Bei aller Experimentierfreude, Dinge die einmal gut funktionieren, sollten nicht unnötig verändert werden.

Die Abgabe:
Ich gebe meine Dendrobates leucomelas ab dem 4. Monat nach dem Landgang nur an gut vorbereitete Halter ab. Unerfahrene Halter bekommen bei mir Sehr selten ist dieser Dendrobates leucomelas Britisch-Guayana.die Gelegenheit, nach telefonischer Absprache sich einmal bei mir alles anzuschauen und sich alles genau erklären zu lassen. Manche Dinge muss man eben einmal gesehen haben, um sie zu verstehen. Danach schicke ich sie wieder nach Hause! Denn, sie haben in der Regel noch eine Menge Dinge zu erledigen, bevor Sie in der Lage sind, diese wunderschönen Pfeilgiftfrösche artgerecht und gesund zu halten. Einige, die gesehen haben, wie viel Arbeit in der Froschhaltung und der damit verbundenen Futtertierzucht steckt, überdenken die Anschaffung dieser Tiere noch einmal. Eine, wie ich finde, lobenswerte Einstellung. Im Internet und Zoohandlungen wird bei einigen Arten von Pfeilgiftfröschen auch oft von „Anfängerfröschen” gesprochen. Es gibt keine Pfeilgiftfrösche für Anfänger! Es gibt Pfeilgiftfrösche mit denen man anfängt. Aber bitte nicht als Anfänger. Seltene Farbmorphen, wie der Dendrobates leucomelas "Britisch-Guayana", sind viel zu wertvoll um sie aus einem Spontankauf heraus zu erwerben. Wer aber Feuer an Dendrobatidae gefangen hat, kommt von den Juwelen des Regenwaldes und der damit verbundenen Faszination nicht mehr los.
Bild oben:
Verschiedene Farbmorphen sind bekannt: Sehr selten ist dieser Dendrobates leucomelas "Britisch-Guayana". Er sieht der grünen Variante Dendrobates leucomelas "Cerro Autana" sehr ähnlich, ist aber nicht so blass gelb bis grün, -sondern orange gefärbt.


Wenn Sie
Fragen oder Interesse an Dendrobates leucomelas haben, scheuen Sie sich nicht, mir eine Nachricht Verkauf:
Hier gelangen Sie zum Kontaktformular.
zu schicken. Es gibt keine dummen Fragen, wenn sie denn ernsthaft gestellt werden.
 

Kurze Aufnahmen über die Aufzucht von Dendrobates leucomelas.

   

Sehen Sie hier noch ein paar kurze Videos von meiner Quappenaufzucht.
Video 1 zeigt meine Quappenstation bei schönem Wetter im Freien. Eine Plexiglashaube mit Gitter lässt UV-Strahlen hindurch und schützt meine Zucht vor gefräßigen Vögeln.
Video 2 zeigt Quappen von Dendrobates leucomelas einige Tage vor dem Schlüpfen. Deutlich sind die Außenkiemen als rote Adern zu erkennen.
Video 3 zeigt eine Quappe, bei der bereits ein Vorderbein durchbrochen ist. Die Umfärbung der sonst schwarzen Quappen hat bereits begonnen.


Das Photoalbum zum Bericht: Zahlreiche Bilder über die Haltung & Zucht von Dendrobates leucomelas.



Stöbern Sie noch ein wenig im Photoalbum. Zahlreiche Bilder über Dendrobates leucomelas, Gelege und deren Quappen werden gezeigt.
 

Schlusswort:

Wohl wissend,
dass im Internet so ziemlich alles an Texten und Bildern geklaut wird, möchte ich hiermit ausdrücklich allen erlauben,
bei einem entsprechenden Verweis auf diese Seite, kurze Textausschnitte und Bilder für die eigene Webseite zu verwenden.
Das Internet lebt durch Verlinkungen untereinander und einige Suchmaschinen belohnen es sogar.
In der freien Natur würde man von einer "Symbiose" sprechen.

Beispiel Quellcode für einen Verweis auf diese Seite:




Ich hoffe,
es hat Ihnen Spaß gemacht, diesen für Sie hoffentlich außergewöhnlichen Beitrag zu lesen und wünsche Ihnen
und im Namen dieser leider immer noch vom Aussterben bedrohten Tierart viel Erfolg bei der Haltung und Zucht von

Dendrobates leucomelas. Der gelbgebänderte Baumsteiger.

Tschüß und bis bald!
Ihr  Klaus Kreyerhoff
 

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|           © 2009       Design: Klaus Kreyerhoff       Dendrobates leucomelas - der gebänderte Baumsteiger. Meine Erkenntnisse über deren Haltung und Zucht.