Liebe
Froschfreunde,
über 30 Jahre Erfahrung mit der Haltung von Amphibien veranlasst mich heute
diese Homepage über Dendrobates leucomelas zu schreiben. Mein Name ist Klaus
Kreyerhoff und ich komme aus Borken in NRW. Alle hier vorgestellten Informationen
über diesen Pfeilgiftfrosch beruhen auf eigenen jahrelangen Beobachtungen und
sind daher nicht wissenschaftlich belegt. Da die Wissenschaft aber nicht viel
über Pfeilgiftfrösche weiß und ich auch kein Wissenschaftler bin, darf ich die
Dinge aussprechen, wie ich sie als Züchter wahrnehme und interpretiere. Auch
Besuche bei den erfolgreichsten Pfeilgiftfroschzüchtern Deutschlands und den
Niederlanden haben mich nicht dazu bewegt, alles gleich bedingungslos nachzuäffen.
- Sondern, mir immer wieder die Frage gestellt: „Wie würde es in der freien
Natur ablaufen und wie kann ich dieses so gewonnene Wissen in der Praxis anwenden?”
Ich hoffe, Sie bleiben auch nach dem Lesen dieser Seite experimentierfreudig
und finden den Tag, an dem Sie Ihr gewonnenes Wissen veröffentlichen.
Kleines Bild oben: Einer meiner zahlreichen Streifzüge durch
den Wald auf der Suche nach Lebendfutter für meine Pfeilgiftfrösche.
Aus eigener Zucht: (Bild links) Dendrobates leucomelas bei
der Futtersuche im dicht bewachsenen Terrarium. (Bild rechts) Ein Jungfrosch
kurz nach dem Landgang.

Dendrobates leucomelas ist ein mittelgroßer Pfeilgiftfrosch aus dem Tinctorius-Komplex.
Die Heimat dieser gelb-schwarz gebänderten Baumsteiger ist der tropische Regenwald
in Venezuela, Kolumbien und Guayana. Die Farbformen reichen von gelb über orange
bis leicht grünlich gebänderten Tieren. Daneben findet sich eine genetzte Farbform,
welche von einigen Züchtern durch entsprechende Auswahl der Elterntiere aus
gebänderten Farbformen nachgezüchtet oder besser gesagt, nachempfunden werden.
Ich halte von solchen zweifelhaften Maßnahmen überhaupt nichts und lehne dieses
ab. Die genetzte Farbform ist in meinen Augen mit Recht eigenständig und sollte
es durch lupenreines Züchten auch bleiben. Der tagaktive Pfeilgiftfrosch wird
zwischen drei und vier Zentimeter groß, wobei die Männchen gerne etwas kleiner
bleiben. Diese Pfeilgiftfrösche können im Terrarium bei artgerechter Haltung
ein Alter von bis zu 15 Jahren erreichen. Die Geschlechter sind nur schwer auseinander
zu halten. Allgemein gilt zwar, dass die Weibchen dieser Dendrobatiden etwas
größer und fülliger sind als Männchen, aber wirklich sicher kann man sich erst
sein, wenn man das Männchen beim Rufen beobachten kann. Dieser Ruflaut kann
als ein relativ lautes und anhaltendes Trillern beschrieben werden. Bei exzellenter
Haltung und abwechslungsreicher Fütterung fangen die Männchen bereits nach 4
Monaten, anfangs noch zögerlich und leise, an zu üben. Die Weibchen benötigen
bis zur Geschlechtsreife deutlich länger. Erste Gelege kann man ab dem 12. Monat
erwarten.
Kleines Bild oben: Dendrobates leucomelas "Bolivar" Ein Jungtier
der genetzten Variante.
| Ruflaut von Dendrobates leucomelas |
Das legebereite Weibchen folgt seinem Ruf und streichelt mit den Forderbeinen
seinen Rücken. Nun suchen beide nach einer geeigneten Legestelle an Land. Nach
der Eiablage betreibt das Männchen Brutpflege, indem es das Gelege in regelmäßigen
Abständen bewässert. Nach dem Schlüpfen der Quappen transportiert das Männchen
diese einzeln, auf dem Rücken tragend, in kleine Wasseransammlungen oder in
Bromelientrichter, die nicht austrocknen. Von diesem Zeitpunkt an sind die Quappen
von Dendrobates leucomelas auf sich allein gestellt. Sie ernähren sich jetzt
von Algen, Mulm und Kleinstinsekten.
Leider werden noch immer illegale Wildfänge im Handel und
besonders auf Messen und Börsen verkauft. Die Dunkelziffer ist wie immer deutlich
höher, wie zugegeben wird. Dieser Umstand liegt im gesunden Schlaf der zuständigen
Behörden begründet. Die Tiere sitzen teilweise Tagelang in viel zu kleine Plastikdosen
ohne Rückzugsmöglichkeiten und all zu oft ohne Bodensubstrat. Nicht einmal die
Temperaturbedingungen der empfindlichen Pfeilgiftfrösche werden berücksichtigt.
Der Verkauf geschieht vollkommen unkontrolliert und nicht selten, ohne die erforderlichen
Papiere. Es werden in den meisten Fällen noch nicht einmal die Personalien des
Verkäufers überprüft, so dass spätere Reklamationen kaum noch möglich sind.
Kaufen Sie daher nur bei einem Züchter, dessen Zuchtanlage Sie selber gesehen
haben und von dessen fachlichen Kompetenz Sie sich selber überzeugen konnten.
Lassen Sie sich die Elterntiere sowie weitere Quappen oder Gelege zeigen. Prüfen
Sie alle Angaben auf Plausibilität. "DIE FRÖSCHE HABE ICH SELBER GEZÜCHTET"
-kann jeder behaupten, der auch skrupellos genug ist, einen gefälschten Herkunftsnachweis
auszustellen.
Aber noch wichtiger ist es,
sich selber die Frage zu stellen, ob man in der Lage ist, diese anspruchsvollen
Tiere artgerecht zu halten.
Das Gift:
Wenn man, so wie ich es mache, sich mit Pfeilgiftfröschen befasst, kommt man
natürlich um das Thema Gift nicht herum. Pfeilgiftfrösche scheiden durch ihre
Haut eingelagerte Gifte aus, die je nach Art tödlich sein können. Dabei handelt
es sich um das Alkaloid Batrachotoxin, eine Substanz, die zu den wirksamsten
Giften überhaupt gehört. Es wirkt, wenn es in die Blutbahn gerät, vor allem
auf Nerven und Muskeln. Es unterbricht die Reizleitung und ruft Lähmungserscheinungen
am Körper sowie der Atemorgane hervor. Auf gesunder Haut zeigt es keine Wirkung,
verursacht jedoch bei der kleinsten Hautverletzung einen starken, lang anhaltenden
Schmerz. Die größte Menge des Giftes produziert der "schreckliche Pfeilgiftfrosch",
Phyllobates terribilis. Er besitzt auf seiner Haut genug Batrachotoxin, um 10
erwachsene Menschen zu töten. Die eigentliche Rolle der Gifte von Amphibien,
so heißt es in der Fachwelt, ist der Schutz gegen Bakterien und Pilze, die auf
der immer feuchten Haut ansonsten optimale Wachstumsbedingungen vorfinden würden.
Die Hautgifte wirken besonders gut gegen die Erreger, die im Biotop der jeweiligen
Amphibienart vorkommen. Ich halte diese Annahme in Verbindung mit Pfeilgiftfröschen
jedoch für fragwürdig. Weshalb sollte eine Tierart in der Evolutionsgeschichte
ein solch starkes und vor allem, ein auf Nerven gerichtetes Gift entwickeln,
wenn es nur Bakterien und Pilze abwehren möchte. Da gäbe es weitaus unspektakulärere
Möglichkeiten sich zu schützen. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Keimzahl
in Tropischen Regenwäldern gegenüber anderen Orten auf unserer Erde erstaunlich
gering ist. Ich halte die enorme Giftigkeit mancher Pfeilgiftfroscharten für
einen gezielten Angriff auf Fressfeinde, da die sehr hohe Artenvielfalt im Regenwald
auch eine hohe Anzahl dieser vermuten lässt. Zumal in Gefangenschaft gehaltene
Pfeilgiftfrösche erstaunlich gut mit unseren hohen Keimzahlen zurechtkommen
-und dieses, obwohl sie Ihre Giftigkeit verloren haben. Auch andere giftige
Tierarten haben ihre Giftigkeit nur zum Schutz vor Fressfeinden entwickelt oder
zur Bewältigung großer Beutetiere. Nicht auf dem Speiseplan Anderer zu stehen,
ist hier ein klarer Vorteil, der zum sicheren Fortbestand beiträgt. Ein weiteres
Indiz für diese Annahme ist die auffällige Färbung der meisten Pfeilgiftfrösche.
Eine klare Botschaft an potentielle Fressfeinde, die besagt: "ICH BIN GIFTIG".
Kleines Bild oben rechts: Weitestgehend
unbekannt als Terrarientier und entsprechend selten nachgezüchtet, wird die
orange Variante Dendrobates leucomelas "Britisch-Guayana". Auch hier ist eine
deutliche Signalfärbung zu beobachten. Wer ein solches Exemplar besitzt und/oder
mehr darüber zu berichten weiss, sollte unbedingt Kontakt mit mir aufnehmen.
Trotz der immensen Giftigkeit
mancher Pfeilgiftfrösche, braucht man sich als Terrarianer normalerweise keine
Gedanken zu machen. In Gefangenschaft aufgezogene Pfeilgiftfrösche sind ungiftig!
Jedenfalls sind sie nicht giftiger wie einheimische Frösche. Wildfänge verlieren
ihre Giftigkeit jedoch sehr langsam, da die Frösche bei der täglichen Häutung,
ihre alte Haut auffressen und somit das Gift erneut aufnehmen. Aus diesem Grund
sollte man sich nur Tiere zulegen, dessen Herkunft bekannt und auch wirklich
gesichert ist. Ein angeblich nachgezüchteter Pfeilgiftfrosch, der sich später
jedoch als giftiger Wildfang entpuppt, ist keine wirkliche Bereicherung. Inzwischen
ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Tiere zur Einlagerung ihres Giftes
bestimmte Nahrungskomponenten benötigen, welche wir natürlich nicht füttern.
Aus welchen Insekten genau die Frösche in der Natur ihre Gifte beziehen und
wie sie sich selber dagegen schützen, ist aber noch nicht vollständig erforscht.
Vermutet werden jedoch Käfer der Gattung Choresine aus der Familie Melyridae.
Die Vorkommensdichte dieser Käfergattung wurde mit der Giftigkeit der dort lebenden
Pfeilgiftfrösche verglichen und gewisse Parallelen entdeckt. Auch hier möchte
ich meine Zweifel aussprechen. Dieser Käfer ist zumindest für kleine Pfeilgiftfroscharten
als Futterinsekt zu groß. Somit erwarte ich für die Zukunft noch weitere Erkenntnisse
zu diesem Thema. In Kolumbien verwenden Chocó-Indianer Batrachotoxin, welches
übrigens sehr lange haltbar ist, als Pfeilgift für Blasrohre wodurch die Frösche
ihren Namen erhielten. Der wissenschaftliche Name "Dendrobates" entstammt den
griechischen Wörtern "dendro" = Baum und "bates" = Läufer. "Baumläufer oder
Baumsteiger".
Schutzstatus:
Dendrobates leucomelas wird im Anhang II des Washingtoner Artenschutzgesetzes
gelistet bzw. Anhang B der EU-ArtSchVO(EG).
Daraus ergibt sich, dass die neu erworbenen Dendrobatiden innerhalb von 14 Tagen bei der zuständigen Behörde (z.B. Untere Landschaftsbehörde) unter Vorlage der Cites oder des Herkunftsnachweises gemeldet werden müssen. Auch alle späteren Nachzuchten, Bestandsänderungen durch Abgabe oder Tod müssen der Behörde sofort gemeldet werden. Die Anmeldung bei den Behörden ist kostenlos.
Ich
halte meine Frösche in dicht bewachsenen Terrarien bei einer Luftfeuchtigkeit
um 80%. Nachts steigt diese auf über 90% an. Dieses erreiche ich durch langsames
Überfluten der gesamten mit Xaxim beklebten Rückwand. Nachts wird die Pumpe
zusammen mit dem Licht ausgeschaltet. Dadurch trocknet das Xaxim ab und darauf
wachsende Pflanzen fangen nicht an zu faulen. Springschwänze nutzen übrigens
die Nachtstunden um die Rückwand sauber zu fressen. Dieses beobachtete ich,
als ich nachts mit einer Taschenlampe ein Terrarium nach den Schlafplätzen meiner
Frösche durchleuchtete. Die Temperaturen bewegen sich tagsüber um 27°C in mittlerer
Höhe gemessen und fallen in der Nacht auf 22°C ab. Diese Temperaturen erreiche
ich ausschließlich über 3 St. T5 Leuchtstoffröhren, die über eine Zeitschaltuhr
12 Std. eingeschaltet werden. Im Winter gönne ich den Fröschen eine Ruhephase
von 3 Monaten, indem ich die Beleuchtungsdauer auf 11 Std. und die Temperaturen
durch Ausschalten einer Leuchtstoffröhre um 2-3°C reduziere. Die Belüftung erfolgt
über zwei PC-Lüfter im oberen Deckelbereich, die ebenfalls über die Schaltuhr
der Beleuchtung eingeschaltet werden. Diese laufen sehr langsam und schaufeln
so die warme Luft der Leuchtstoffröhren nach unten gegen die Frontscheibe. Dadurch
trocknet am Morgen die durch die hohe Luftfeuchtigkeit der Nachtstunden noch
beschlagene Scheibe sehr schnell ab. Zur Zeit experimentiere ich mit ganzflächig
beheizbarem Glas ohne Heizdrähte. Beschlagene Scheiben gehören auch bei 95%
Luftfeuchtigkeit nun der Vergangenheit an. Auch wenn ein gut eingefahrenes Terrarium
nur eine geringe Geruchsbelästigung darstellt, so lässt sich die Raumluft, durch
ein am Lüftungsgitter aufgehängter Kaffee-Pad, doch deutlich verbessern. Durch
die enorme Oberfläche von Kaffeepulver, ist es in der Lage wochenlang Gerüche
zu absorbieren.
Regenanlage? Fehlanzeige!
Auch ein Vernebler kommt nicht zum Einsatz. Da ist gute alte Handarbeit gefragt.
Mit einer Sprühflasche wird jedes Terrarium individuell mit Regen versorgt.
In keinem Regenwald der Welt gibt es jeden Tag um die gleiche Zeit die gleiche
Menge Niederschlag. Dendrobates leucomelas mag eine hohe Luftfeuchtigkeit, aber
kein ewig nasses Umfeld. Ein gut Wasser speicherndes Bodensubstrat und eine
sehr üppige Bepflanzung sorgen automatisch für ein ideales und auch abwechslungsreiches
Klima ohne nasse Oberflächen. Eine abgetrocknete Oberfläche erwärmt sich auch
besser wie eine nasse. Zwischen feucht und nass liegen ganze Welten und auch
der Schlüssel zu mehr Erfolg. In meinen Terrarien wird man nie Bauschaum, Styropor
oder andere nicht saugfähige Materialien finden. Saugfähiges Volumen ist zwar
sehr schwer - aber wir wollen unsere Terrarien schließlich nicht durch die Wohnung
tragen, sondern harmonisch in unsere Wohnlandschaft fest installieren. In dem
Moment, wo wir alles automatisieren, sind wir Technikfreaks und keine Froschhalter
mehr. Die Froschhaltung bringt so viel Arbeit mit sich, dass es auf ein bisschen
Sprühen nicht ankommt. Man möchte sein Hobby schließlich ausleben. Ich bin aber
auch nur ein kleiner Züchter mit nur wenigen Becken und achte sehr darauf, dass
mein Hobby nicht in ein Sammelsurium mit zahllosen Terrarien und Froscharten
ausartet. Dieses halte ich für wichtig, da man ansonsten den Überblick verliert
und die Qualität darunter doch stark leidet. Ein gut funktionierendes Terrarium
übersteht auch locker eine 14-tägige Urlaubsreise, ohne Verwandte und Bekannte
bitten zu müssen, nach dem Rechten zu sehen.
Gefüttert werden meine Pfeilgiftfrösche mit unterschiedlichen
Arten von Fruchtfliegen (Drosophila) und dessen Maden, Erbsenblattläuse, Tripse,
Springschwänze, Ofenfischchen, mikro- Heimchen oder Grillen, tropische Asseln
sowie Weizenkäfer und Bohnenkäfer aus der eigenen Zucht. In den frostfreien
Monaten füttere ich zusätzlich, soweit vorhanden, täglich mit Wiesenplankton,
Bodeninsekten, Milben und Blattläuse aus der freien Natur. Aber dazu komme ich
weiter unten noch ausführlich zu sprechen.
Vitamin
und Mineralstoffpulver?
Auch hier Fehlanzeige! Wichtiger wie eingestäubte und dadurch immer gleich schmeckende
Futtertiere sind abwechslungsreiche und gesunde Futtertiere. Kein in der freien
Natur lebender Pfeilgiftfrosch frisst am Tag X nur Springschwänze und am Tag
darauf nur Fruchtfliegen. Meine Tiere erhalten täglich alle zur Verfügung stehenden
Futtertiere. So finden meine Frösche mal ein Ofenfischchen, gefolgt von einer
kleinen Spinne und als nächstes vielleicht einen Bohnenkäfer oder eine Erbsenblattlaus.
Alle Futtertiere werden gesamtflächig im Terrarium verteilt angeboten und zum
Teil sogar im Terrarium nachgezüchtet. Dadurch streifen meine Tiere den ganzen
Tag durch ihr Zuhause und sind mit der Futtersuche beschäftigt. Aber um auf
das Thema Vitamin und Mineralstoffpulver noch einmal zurückzukommen. Ich bin
mir auch darüber im Klaren, dass in Großstätten lebende Froschhalter nicht die
Möglichkeiten wie ich Landei haben, immer ausreichend unbelastetes Wiesenplankton
zu finden.
Deshalb mein Tipp:
An Stelle die Futtertiere zu bestäuben, können Sie Taufliegen (Drosophilidae)
auch Frucht-, Obst-, Gär-, Most- oder Essigfliegen genannt, über den Nährbrei
mit Vitaminen und Mineralien anreichern. Ich verwende verschiedene Nährbreie
für meine Fruchtfliegenzucht. So erhalte ich, übertrieben gesagt, Fruchtfliegen
mit z.B. Bananengeschmack, Traubengeschmack oder saure mit Essig/Weingeschmack.
Zur Zeit experimentiere ich sehr erfolgreich mit probiotischem Joghurt. Probiotische
Zellkulturen und Bakterien haben auf junge Dendrobatiden einen nicht unerheblichen
Einfluss auf die:

Über die Fruchtfliegen lassen sich so ziemlich alle erdenklichen Stoffe auf
die Frösche transportieren. Dabei sollte man wissen, dass am 3. Fütterungstag
der höchste Anteil der aufgenommenen Stoffe erreicht ist und die Fruchtfliegen
verfüttert werden können. Fruchtfliegen lassen sich übrigens prima dosiert und
über den gesamten Tag hin verteilt, über einen möglichst kurzen Schlauch von
der Zuchtdose aus, ins Terrarium schleusen. Diese Methode wende ich nicht wegen
der Arbeitserleichterung an, sondern weil ich dadurch permanent ein Futterangebot
realisieren kann. Alle Futtertiere, die ich selber züchte, erhalten ebenfalls
nur das Beste an Futter und werden mit der gleichen Aufmerksamkeit gezüchtet
wie meine Frösche.
Lebendfutter aus der freien Natur.
Sie werden sich sicherlich die Frage stellen: „Wie schafft man es nur, diese
großen Mengen an Futter zu fangen?”. Dazu bediene ich mich einer alten und vielleicht
auch in Vergessenheit geratenen Technik. Ich verwende einen großen Metalleimer
in dessen Boden ich ein Edelstahlgitter mit einer Maschenweite
von nur 2 mm einklebe. Dieser Eimer wird mit feuchter Walderde, Moosplatten,
Baumrinde oder Laub gefüllt. Es ist sehr wichtig nur die obere Bodenschicht,
in denen sich vermehrt die Insekten aufhalten, zu verwenden. Nun stelle ich
diesen Eimer über einen geeigneten und dicht abschließenden Auffangbehälter
mit feuchter Holzwolle, wo sich die Insekten sammeln können. Eine über dem Eimer
hängende Wärmelampe trocknet die Walderde nun langsam von oben nach unten aus.
Die in der Walderde lebenden Futterinsekten wandern auf der Suche nach Feuchtigkeit
immer weiter nach unten und fallen schließlich in den Auffangbehälter. Durch
die geringe Maschenweite, können nur Futterinsekten in den Auffangbehälter fallen,
die auch für uns als Futter in Frage kommen. Sie werden staunen, wie viel Leben
in nur 10 Liter Walderde vorzufinden ist. Selbst in den Wintermonaten können
beachtliche Mengen Lebendfutter unterschiedlichster Art auf diese Weise gefangen
werden. Auch wenn mit bloßem Auge die Ausbeute gering zu sein scheint, der Anteil
an mikro- Kleinstfutter ist beachtlich und von unschätzbarem Wert. Junge Kellerasseln,
die ebenfalls durch die Maschen hindurch finden, werden entgegen der weitläufig
verbreiteten Meinung in Fachkreisen, durchaus von den Pfeilgiftfröschen angenommen
und können verfüttert werden. Frösche, die mit einem breiten Futterspektrum
versorgt werden, zeigen eine deutlich höhere Futterakzeptanz wie jene, die nur
Drosophila und Springschwänze kennen. Im Waldboden leben über 2.000 Arten Springschwänze
oder Collembolen sowie unzählige Arten von Larven, Käfer, Spinnen, Hundert-
und Tausendfüssler, welche allesamt gerne gefressen werden. Diskussionen über
die Verträglichkeit einzelner Futtertiere, wie man sie in Foren im Internet
immer wieder vorfindet, lassen bei mir die Nackenhaare steigen. Da wird von
Darmvorfällen gesprochen, weil der Panzer vom Käfer zu hart oder der Wurm zu
weich war. Wer passt in der Natur eigentlich darauf auf, dass der Frosch das
richtige frisst? Ein, an ein breites Futterspektrum gewöhnter Pfeilgiftfrosch,
bekommt keine Darmvorfälle. Nur einseitig ernährte Tiere bekommen bei plötzlichem
Futterwechsel Probleme. In solchen Fällen sollte ein langsames umgewöhnen stattfinden.
Wöchentlich ein mit Moos bewachsenes Stück Baumrinde zum absuchen, ist ein guter
Anfang zu einer ausgewogenen Ernährung und sollte langsam gesteigert bzw. erweitert
werden.
Wiesenplankton
Große Mengen Wiesenplankton fängt man an sonnigen Tagen mit dem Auto! Ich halte
dazu einfach einen langen und geeigneten Käscher aus dem geöffneten Fenster
und streife diesen bei 20 bis 30 KM/h über die Grasnarbe am Wegesrand ab. Verwenden
Sie aber nur selten befahrene und chemisch unbelastete Landwirtschaftswege ab.
Beachten Sie bitte auch die Naturschutzbestimmungen. Nicht alle Insekten dürfen
gefangen und verfüttert werden. Wir wollen schließlich keinen Ärger!
Die eigene Futtertierzucht.
Ohne eine eigene Futtertierzucht geht es in der Pfeilgiftfroschhaltung natürlich
nicht. In den Wintermonaten sind Futtertiere in Zoofachgeschäften teilweise
wochenlang
nicht erhältlich, da sie bei starkem Frost nur ungern verschickt werden und
selbst Händler dadurch keine Wahre erhalten. Dann ist eine gut funktionierende
Futtertierzucht Gold wert. Ich züchte meine Futtertiere zum größten Teil in
umgebaute, sehr hohe Kühlschränke, welche nun als Wärmeschränke dienen. Eine
handelsübliche Elektroheizung mit Thermostat aber ohne Gebläse in jedem Schrank,
sorgt für ein enormes Temperaturgefälle. Während im unteren Bereich Temperaturen
um 22°C herrschen, sorgt die aufsteigende warme Luft dafür, dass sich im oberen
Bereich Temperaturen um 40°C bilden. Dort lassen sich in großen dunklen Kunststoffboxen
hervorragend Ofenfischchen züchten. Weiter unten, wo sich Temperaturen um 30°C
bilden, züchte ich Bohnenkäfer Grillen und Kornkäfer. Darunter, bei etwa 25°C,
lassen sich Springschwänze und tropische Asseln züchten. Der Bereich zwischen
22°C - 24°C ist für die Fruchtfliegenzucht reserviert. Dort lassen sich auch
Tripse nachzüchten. In diesem Bereich habe ich auch zwei Energiesparlampen mit
Reflektor montiert, welche über eine Zeitschaltuhr 16 Stunden eingeschaltet
werden. Diese versorgen meine darunter platzierten Erbsenpflanzen mit ausreichend
Licht für meine Blattlauszucht. Durch die enorme Isolation von Kühlschränken,
wird nur sehr wenig Energie verbraucht und ist dadurch äußerst effektiv. Dieses
Verfahren funktioniert aber nur in kühlen Kellerräumen, wo die Temperaturen
auch in den Sommermonaten nicht über 18°C steigen, - da die Elektroheizung sich
sonst nicht häufig genug einschaltet und dadurch die hohen Temperaturen im oberen
Bereich nicht erreicht werden können. Ein zweiter Thermostat im oberen Bereich
sorgt bei 50°C für eine Zwangsabschaltung des gesamten Stromkreises. Dadurch
wird ein Überhitzen vermieden und sorgt so für mehr Sicherheit.
Bild links: In einem umgebauten Kühlschrank lassen sich optimale
Temperaturen für die eigene Futtertierzucht schaffen.
Genaue Zuchtanleitungen der einzelnen Futtertiere möchte ich zu einem späteren
Zeitpunkt in einem gesonderten Bericht anbieten. Bis dahin müssen leider die
ewig vererbten und dadurch teilweise hartnäckigen Lügen im Internet ausreichen.
Nein, - Spaß bei Seite. So schlecht sind die im Internet angebotenen Zuchtanleitungen
natürlich nicht. Sie ähneln sich nur teilweise im Wortlaut wie ein Ei dem Anderen.
Da fragt man sich, warum man eigene Worte finden soll, die sich Jahrzehnte lang
ungeprüft im Netz vermehren und andere Seiten schmücken.
Die Quappenaufzucht erfolgt soweit es möglich ist, unter
Einwirkung von Tageslicht in zuvor behandeltem Regenwasser. Zusammen mit einer
ausgewogenen Ernährung entwickeln sich so kräftige und gesunde Jungfrösche.
Nach der Metamorphose werden die jungen Pfeilgiftfrösche täglich mit Wiesenplankton,
Springschwänzen, Fruchtfliegen, Erbsenblattläuse, Kornkäfer und Ofenfischchen
aus der eigenen Futtertierzucht gefüttert. In den Sommermonaten wird fast ausschließlich
Wiesenplankton angeboten. Dieses erhöht auch bei den Zuchttieren die Lebensgeister
und die Qualität der Gelege. Die konsequente naturnahe Aufzucht belohnt mich
mit einer Zucht fast ohne Ausfälle. Qualität ist eben auch Quantität. Zum Thema
Streichholzbeinchen kann ich keinen besonderen Beitrag leisten, da meine Nachzuchten
keine haben. Ich möchte aber die Vermutung ausstoßen, dass es unter anderem
mit der gesunden Ernährung meiner Zuchttiere und deren Quappen zu tun haben
könnte. Auch bei Dendrobatiden gilt, "JEDER IST, WAS ER ISST". Dass dieses auch
für selbst gezüchtete Futtertiere gilt, habe ich weiter oben bereits erwähnt
und würde, aufgrund der Bedeutsamkeit, es weiter unten gerne noch einmal tun.


Bild links: Kleine Mini-Biotope. In stark bewachsene Aufzuchtbecher
bleibt das Wasser lange Zeit stabil. In Einzelfällen kann auf ein Wasserwechsel
gänzlich verzichtet werden. Die Quappen wachsen aufgrund der Versteckmöglichkeiten
stressfrei auf und haben ein deutlich besseres Futterangebot. Nach der Metamorphose
hebe ich solche wertvollen Becher für spätere Quappen auf. Bild rechts: Nach
80 bis 100 Tagen geht der fertige Pfeilgiftfrosch an Land. Er besitzt bereits
eine ausgeprägte Färbung, welche sich aber in den nächsten Monaten noch verschönert.
Die Eiablage findet bei meinen Fröschen immer in kleinen
Filmdosen statt, welche ich im gesamten Terrarium verteilt anbiete. Bei Dendrobates
leucomelas
besteht
die Gefahr, dass sie ihr Gelege nach einiger Zeit selbst zerstören oder auffressen.
Deshalb entnehme ich das Gelege einige Stunden nach der Eiablage aus dem Terrarium.
Gelegentlich überlasse ich auch kleine Gelege den Fröschen, damit sie ihre Brutpflege
nicht verlernen. Nach der Entnahme der Eier schiebe ich das Gelege mit einem
Löffel vorsichtig aus der Filmdose heraus und überführe es in einen Kunststoffbecher.
Dort entferne ich vollständig und sehr vorsichtig die überschüssige Gallerte.
Diese würde sonst das weitere Aufquellen der Eier behindern und die Quappen
hätten weniger Platz für ihre Entwicklung. Nun gebe ich soviel Regenwasser in
den Becher, dass die Eier gut umspült sind aber nicht überflutet werden. So
im Wasser liegend, lassen sich eventuell auf dem Kopf liegende Eier leicht durch
anstupsen wieder in die richtige Lage bringen. Ein wenig Javamoos und ein heller
Standort erhöht den Sauerstoffgehalt im Wasser und baut Schadstoffe ab. Dieser
Sauerstoff diffundiert durch die Eihüllen hindurch und steht den heranwachsenden
Larven zur Verfügung. Ein leicht aufgelegter Deckel mit kleinen Löchern verhindert
ein zu schnelles Austrocknen. Der Wasserstand muss aber dennoch regelmäßig geprüft
und korrigiert werden. Bei zu niedrigem Wasserstand werden die Eier an der aus
dem Wasser herausschauenden Oberfläche zäh und können nicht weiter aufquellen.
Bei Bedarf kann man den Quappen auch Schlupfhilfe leisten, indem man die Eihülle
vorsichtig mit zwei Stecknadeln auseinander zieht. Ich habe die Erfahrung gemacht,
dass man Frühchen besser helfen kann wie Spätzünder, die zu lange in der Eihülle
steckten und unter Sauerstoffmangel litten. Wenn sich die Außenkiemen schon
im Ei zurückbilden, ist es höchste Zeit für eine Schlupfhilfe. Auch das Männchen
würde durch die starken Bewegungen der Quappen angeregt, durch trampelnde Bewegungen
eine Art Schlupfhilfe leisten.
Bild oben: Ein Gelege mit 6 Eiern in einer Filmdose.
Nach dem Schlüpfen der Quappen,
werden sie in kleine Aufzuchtanlagen überführt. Der Wasserstand beträgt in den
ersten 3 Tagen nur 1 cm. Danach wird dieser täglich um wenige mm erhöht.
Sobald die Quappen zu groß geworden sind, werden sie noch einmal in 250 ml.
Plastikdosen, welche bereits mit Regenwasser, ein Buchenblatt, Moos, Muschelkalk
und Algen im Freien gestanden haben, überführt. Dadurch, dass die Becher einige
Tage im Freien standen, haben sich an den Wandungen Algen und Bakterienkulturen
gebildet, welche sich wieder positiv auf die nachembryonale Entwicklung der
Quappen auswirken. Muschelkalk, Moos und Buchenblätter stabilisieren das Wasser
so sehr, dass nur noch sehr selten ein Wasserwechsel nötig ist. Das dazu
verwendete Regenwasser wird ebenfalls im Vorfeld mit den oben erwähnten stabilisierend
wirkenden Maßnahmen vorbehandelt. Gefüttert wird in den ersten Tagen mit Detritus
auch Mulm genannt, Algen und selbst hergestelltem Brennnesselpulver. Nach etwa
4 Tagen wird mit einem Spezialfutter welches ich ebenfalls selber herstelle
zugefüttert. Auf keinen Fall sollte man auf fertiges Fischfutter (besonders
Flockenfutter) zurückgreifen, da es zu viele Nachteile mit sich bringt. Zum
einen schmeckt es den Quappen einfach zu gut um noch Mulm und Anderes, ebenfalls
für die Quappen lebensnotwendiges Futter zu fressen. Zum anderen verdirbt es
unser Wasser schon nach wenigen Stunden, da es sehr schnell Duft und Geschmacksstoffe
verliert und dadurch nicht vollständig aufgefressen wird. Auch die Ausscheidungen
der Quappen können sich bei Fischfutter negativ verändern, da unsere Quappen
aufgrund ihres speziellen Futterspektrums ein anderes Verdauungssystem aufweisen
wie Fische. Nicht alle darin enthaltene Inhaltsstoffe werden vollständig verdaut
und gelangen somit wieder in unser Wasser und lassen dieses verderben. Mein
verwendetes Futter hingegen stabilisiert sogar das Wasser. Es besteht aus einem
geringen Anteil "Sofortfutter" und einem hohen Anteil "Langzeitfutter", welches
sich durch Zersetzung erst nach einiger Zeit zu einem verwertbaren Quappenfutter
entwickelt. Dadurch steht den Kaulquappen permanent ein hervorragendes und natürliches
Futterangebot zur Verfügung ohne unser Minibiotop zu belasten. Ab dem 7. Tag
füttere ich zusätzlich mit Lebendfutter. Dabei schöpfe ich die Wasseroberfläche
meiner Regentonne nach Mückenlarven und auf der Wasseroberfläche liegende (auch
tote) Anfluginsekten ab. Dabei haben sich ertrunkene Anfluginsekten als besondere
Leckerbissen erwiesen. Besonders aufgeweichte Wespen werden gerne gefressen.
Man sollte aber keine mit Fischen besetzten Teiche abschöpfen, da Fische oft
an Pilz leiden und unsere Quappen befallen können. Ich habe diese Erfahrung
selber gemacht und nur durch konsequente Entsorgung aller, mit dem Wasser in
Berührung gekommenen Gegenstände und Quappen, wieder in den Griff bekommen.
Naturnahe Aufzucht kann eben auch der natürliche Tod sein.
Ich verwende daher nur meine eigenen Regentonnen, die ich selber zu 100 Prozent
kontrolliere. Wo ich gerade bei Regenwasser bin. Regenwasser ist nicht gleich
Regenwasser. Die ersten Liter nach einer langen Trockenzeit enthalten besonders
im Frühjahr einen hohen Anteil an Blütenpollen. Diese sind ein hervorragendes
Aufzuchtfutter für frisch geschlüpfte Quappen und wird von mir in separate Kanister
abgefüllt. Leider ist die Haltbarkeit sehr begrenzt. Man kann aber auf der Oberfläche
schwimmende Pollen abschöpfen und trocknen lassen. Diese halten sich einige
Monate. Ist die Luft einmal sauber geregnet, erhalten wir sehr sauberes Regenwasser,
welches ich zur Überbrückung von Trockenzeiten in Kanister abfülle. Ich werfe
immer noch ein Stück Muschelkalk und ein Buchenblatt in den Kanister. Buchenblätter
versauern das Wasser nicht so stark wie Eichenblätter, welche ebenfalls oft
als geeignet beschrieben werden.
Kaulquappenfutter selber herstellen.
Um Quappenfutter selber herstellen zu können, muss man sich zunächst die Frage
stellen, woraus die natürliche Nahrung der Kaulquappen besteht. Schauen wir
uns deshalb das natürliche Umfeld einer Quappe genauer an. Die
Kaulquappen von
Dendrobates leucomelas sitzen in kleinste Wasseransammlungen wie z.B. Bromelien
und Astlöcher. Diese sind ausschließlich mit Regenwasser gefüllt. Regenwasser
ist vom Ursprung her sehr sauber und enthält nur wenig Keime sowie gelöste Inhaltsstoffe.
Die nötige Nahrung gelangt also zum großen Teil in Form von Luftplankton in
unser Kleinstbiotop. Biologische Organismen wie z. B. winzige Tiere (Gewittertierchen,
Spinnen) oder Bestandteile wie Pollen, Sporen und Pflanzenteile werden durch
den Wind auf die Wasseroberfläche getragen. Hinzu kommen einige im Wasser lebende
Insektenlarven. Im Minibiotop entwickeln sich aber auch Algen, und durch bakterielle
Zersetzung Mulm. Dieser Mulm besteht zu einem großen Teil aus Mikroorganismen
(Einzellern), Bakterien und Spurenelementen. Es bietet eine ideale Siedlungsfläche
für Nitrobacter (Nitratbakterien) die Schadstoffe abbauen und dadurch das Wasser
weiter stabilisieren. Wichtig dabei ist, ein hoher Sauerstoffanteil im Wasser,
welcher sich mit Moos und einer hellen Umgebung verwirklichen lässt, da es sonst
zu Fäulnisbildung kommt. Manchmal fallen auch größere Insekten ins Wasser und
finden den Weg nicht mehr hinaus und ertrinken. Daraus gewinnen wir die Erkenntnis,
dass sich unsere Quappen von zahlreichen pflanzlichen und tierischen Bestandteilen
ernähren. Um ein gutes Futter selber herstellen zu können, müssen wir versuchen
dieses natürliche Geschehen nachzubilden. Um ein möglichst naturidentisches
Ergebnis zu erhalten, schöpfe ich mit einem sehr feinmaschigen Käscher die Wasseroberfläche
meiner Regentonnen ab und lasse alle Inhaltstoffe trocknen. Danach wird es fein
zermahlen und bis zur weiteren Verarbeitung in kleine Kunststoffbecher aufbewahrt.
Überschüssige Futterinsekten meiner Frösche werden ebenfalls getrocknet und
zerkleinert. Nun haben wir schon zwei wichtige Komponenten die etwa die Hälfte
unseres fertigen Quappenfutters ausmachen. Die zweite Hälfte besteht aus Walnussbaumblätter,
Brennnesselblätter, Eichenblüten und Buchenblätter, sowie zahlreiche Blütenpollen
und Samen. Ein nicht unerheblicher Anteil besteht aus Verunreinigungen die bei
der Ernte der einzelnen Komponenten mit eingesammelt werden. Darunter zählen
Vogelkot, Vogelfedern, kleine Raupen und dessen Häutungsreste sowie andere kleinste
Insekten. Besonders bei der Ernte von Eichenblüten im Frühjahr werden große
Mengen dieser durchaus gewollten Verunreinigungen mit eingesammelt. Lediglich
unnatürliche Stoffe sowie Steinchen und grobe Zweige werden aussortiert. Alle
gesammelten Zutaten werden getrocknet, gemahlen und im richtigen Verhältnis
gemischt. Das richtige Mischungsverhältnis möchte ich nur im Groben ansprechen,
da ein gewisses Maß Bauchgefühl und Experimentierlust durchaus Sinn macht. Schließlich
sollen Sie es lernen und nicht nur nachmachen.
Bilder oben: Zum zerkleinern und mahlen der einzelnen Zutaten ist eine Kaffeemühle mit Schlagwerk ein unverzichtbares Utensil. Mühlen mit Mahlwerk sind dagegen unbrauchbar, da kleine Steine diese sofort zerstören würden.

Zutatentabelle: Volumenmengen in Prozent
| Zutaten | Menge | Sinn und Zweck / Bemerkung |
| Luftplankton | 25% | (Direkt und Langzeitfutter) Winzige biologische Organismen wie z. B. winzige Tiere (Gewittertierchen, Spinnen) oder Bestandteile wie Pollen, Sporen und Pflanzenteile. Frühjahr bis Herbst von der Wasseroberfläche abschöpfen um ein breites Spektrum zu erhalten. |
| Insekten | 25% | (Direktfutter) Alle Arten von Insekten. Getrocknete Mückenlarven und Bachflohkrebse können auch in Zoohandlungen fertig gekauft werden. |
| Walnussbaumblätter | 30% | (Direkt und Langzeitfutter) Die noch grünen Blätter vom Baum pflücken und trocknen. Wirkt antibakteriell und fungizid. Bildet durch Zersetzung sehr schnell Mulm welches sehr wichtig für die Quappen ist. |
| Algen | 10% | (Direktfutter Wasserstabilisierend) |
| Erlenzapfen | 1% | (Sehr Wasserstabilisierend Langzeitfutter) Bildet durch Zersetzung Mulm.. |
| Buchenblätter | 3% | (Die austretende Huminsäure wirkt auf das Wasser stabilisierend - Langzeitfutter) Im Herbst das abgefallene Laub verwenden. Bildet durch Zersetzung Mulm. |
| Eichenblüten | 1% | (Die austretende Huminsäure wirkt auf das Wasser stabilisierend - Langzeitfutter) Im Frühjahr die unter den Eichen liegenden Blüten abrechen. Bildet durch Zersetzung Mulm. |
| Brennnesselblätter | 1% | (Direktfutter) Bringt das Wasser aber sehr schnell zum Kippen. Daher die geringe Menge. |
| Brombeerblätter | 1% | (Langzeitfutter) Bildet durch Zersetzung Mulm. |
| Gräsersamen | 1% | (Langzeitfutter) Bildet durch Zersetzung Mulm. |
| Muschelkalk / Eierschale | 0,5% | Wasserstabilisierend und wichtig für den Knochenbau. |
| Freiraum für Experimente | 1,5% | Freiraum für eigene Experimente. Weitere zahlreiche Laubbäume eignen sich für die Blatternte. |
Als ergänzende Futterquelle,
haben sich Walnussbaumblätter bestens bewährt und sind deshalb in meinem Futter
schon zu 30% enthalten. Sie werden von den Kaulquappen auch gerne als Blatt
abgeraspelt. Sie haben zudem eine starke antibakterielle sowie fungizide Wirkung.
Sogar Wasserschimmel (Saprolegnien / Fischschimmel), welcher bei niedrigen Temperaturen
gerne auf Futterresten entsteht und auf die Kaulquappen übergreifen kann, lässt
sich mit Walnussblättern unterdrücken und in Zusammenhang mit Zimtstangen aus
dem Reformhaus und hohen Temperaturen um die 30°C gut und erfolgreich behandeln.
Grundsätzlich sind Pilzinfektionen bei Kaulquappen immer die Folge irgendeiner
vorangegangenen Schädigung, sei es nun eine Verletzung, eine Hautschädigung
durch Parasiten oder eine umweltbedingte Störung wie Wasserqualität, Temperatur
oder eingeschleppte schon mit Saprolegnien befallene Pflanzen und Tiere. Wer
selber nicht die Gelegenheit hat, die noch grünen Blätter des Walnussbaumes
im Herbst zu sammeln und zu trocknen, der kann auch welche bei mir bestellen.
Häufig verpilzen junge Kaulquappen an, im Schlund hängen gebliebene Futterreste.
Deshalb füttere ich in den ersten zwei Wochen nur kleinstes Futtermaterial.
Mit einer Kaffeemühle (unbedingt eine mit Schlagwerk verwenden) bekommen wir
Staubfeines Quappenfutter welches sich einfach mit einer Messerspitze dosieren
lässt.




Bilder oben von links nach rechts. Bild 1: Ein 3 Tage altes
Gelege von D. leucomelas. Bild 2: Nach etwa 10 Tagen haben sie dieses Stadium
erreicht. Bild 3: Nach etwa 16 Tagen schlüpfen die 2 cm großen Quappen. Bild
4: Eine Quappe dessen Hinterbeine voll entwickelt sind. Die Umfärbung hat begonnen.


Bild oben links: Nach gut 90 Tagen haben
sich auch die Vorderbeine entwickelt und die Umfärbung ist in vollem Gang. Bild
oben rechts: Nach dem Landgang überführe ich die jungen Dendrobatiden in dicht
bewachsene und stark mit Springschwänzen angeimpfte Aufzuchtterrarien.
Sobald die Vorderbeine der Dendrobatiden entwickelt sind,
senke ich den Wasserstand auf etwa 3 cm und gebe noch einen, aus dem Wasser
ragenden Stein als Ausstiegshilfe hinein. Ab diesem Zeitpunkt frisst die Quappe
nur noch etwa 2-3 Tage. Danach resorbiert sie innerhalb weniger Tage ihren Schwanz
und die Mundpartie verändert sich zu dem froschtypischen Maul. Kurz vor dem
anstehenden Landgang übergebe ich den Becher in ein gut bewachsenes und stark
mit Springschwänzen angeimpftes Aufzuchtterrarium. In solch stark bepflanzten
Terrarien wachsen die Jungfrösche deutlich schneller heran wie in sterilen Kleinstterrarien.
Der deutlich höhere Anteil an Mikro-Kleinstfutter und der geringere Stress dürften
dafür verantwortlich sein. In den ersten Tagen bleiben die Jungtiere noch in
Wassernähe um bei Gefahr schnell abtauchen zu können. Aber nach und nach entfernen
sie sich immer weiter von ihrer vertrauten Umgebung und suchen schließlich im
gesamten Terrarium nach Futter, guten Verstecklätzen und Aussichtspunkten.




Weitere Bilder über D. leucomelas, deren Gelege und Quappen
finden Sie in der
Diashow
Die weitere Pflege der Jungfrösche unterscheidet sich kaum von den erwachsenen
Tieren. Zusätzlich zu den immer vorhandenen Springschwänzen füttere ich täglich
mit Fruchtfliegen, Tripse, (Werden auch als Gewitterwürmchen oder Gewitterfliegen
bezeichnet.) sowie Kornkäfer (Sitophilus granarius) und frisch geschlüpfte Ofenfischchen.
Außerdem füttere ich mit Wiesenplankton, kleinen Spinnen, Milben und Blattläusen.
Letztere lassen sich hervorragend mit einer Taubenfeder von Rosen und Disteln
in einen kleinen Becher abfedern. Erbsenblattläuse lassen sich auch gut und
in großen Mengen selber züchten. Da Blattläuse geradezu mit Pflanzensäften voll
gesogen sind, enthalten diese viele Vitamine und sind deshalb als sehr wertvoll
Anzusehen. Von Zeit zu Zeit lege ich ein aus der Natur entnommenes Stück Baumrinde
in das Aufzuchtterrarium. Dieses wird geduldig von den Fröschen nach Kleinsttieren
abgesucht. Diese simple Methode stellt eine enorme Futtererweiterung dar, welche
durch kein Vitaminpulver der Welt ersetzt werden kann. Nach zirka 10 Monaten
werden die weiblichen Frösche geschlechtsreif und fangen an selber Gelege zu
produzieren. Die ersten Gelege von Dendrobates leucomelas sind allerdings oft
von minderer Qualität oder unbefruchtet und verpilzen daher. Überhaupt ist es
nicht leicht ein legendes Pärchen zusammenzustellen. Auch ein bereits legendes
Pärchen kann die Produktion ohne erkennbaren Grund Monate lang einstellen. Häufig
sind es für uns nur kleine Veränderungen im Terrarium, die solche Verhaltensänderungen
nach sich ziehen. Bei aller Experimentierfreude, Dinge die einmal gut funktionieren,
sollten nicht unnötig verändert werden.
Die Abgabe:
Ich gebe meine Dendrobates leucomelas ab dem 4. Monat nach dem Landgang nur
an gut vorbereitete Halter ab. Unerfahrene Halter bekommen bei mir
die
Gelegenheit, nach telefonischer Absprache sich einmal bei mir alles anzuschauen
und sich alles genau erklären zu lassen. Manche Dinge muss man eben einmal gesehen
haben, um sie zu verstehen. Danach schicke ich sie wieder nach Hause! Denn,
sie haben in der Regel noch eine Menge Dinge zu erledigen, bevor Sie in der
Lage sind, diese wunderschönen Pfeilgiftfrösche artgerecht und gesund zu halten.
Einige, die gesehen haben, wie viel Arbeit in der Froschhaltung und der damit
verbundenen Futtertierzucht steckt, überdenken die Anschaffung dieser Tiere
noch einmal. Eine, wie ich finde, lobenswerte Einstellung. Im Internet und Zoohandlungen
wird bei einigen Arten von Pfeilgiftfröschen auch oft von „Anfängerfröschen”
gesprochen. Es gibt keine Pfeilgiftfrösche für Anfänger! Es gibt Pfeilgiftfrösche
mit denen man anfängt. Aber bitte nicht als Anfänger. Seltene Farbmorphen, wie
der Dendrobates leucomelas "Britisch-Guayana", sind viel zu wertvoll um sie
aus einem Spontankauf heraus zu erwerben. Wer aber Feuer an Dendrobatidae gefangen
hat, kommt von den Juwelen des Regenwaldes und der damit verbundenen Faszination
nicht mehr los.
Bild oben:
Verschiedene Farbmorphen sind bekannt: Sehr selten ist dieser Dendrobates leucomelas
"Britisch-Guayana". Er sieht der grünen Variante Dendrobates leucomelas "Cerro
Autana" sehr ähnlich, ist aber nicht so blass gelb bis grün, -sondern orange
gefärbt.
Wenn Sie
Fragen oder Interesse an Dendrobates leucomelas haben, scheuen Sie sich nicht,
mir eine
Nachricht Verkauf:
Hier gelangen Sie zum Kontaktformular. zu schicken. Es gibt keine
dummen Fragen, wenn sie denn ernsthaft gestellt werden.
Sehen Sie hier noch ein paar kurze Videos von meiner Quappenaufzucht.
Video 1 zeigt meine Quappenstation bei schönem Wetter im Freien. Eine Plexiglashaube
mit Gitter lässt UV-Strahlen hindurch und schützt meine Zucht vor gefräßigen
Vögeln.
Video 2 zeigt Quappen von Dendrobates leucomelas einige Tage vor dem Schlüpfen.
Deutlich sind die Außenkiemen als rote Adern zu erkennen.
Video 3 zeigt eine Quappe, bei der bereits ein Vorderbein durchbrochen ist.
Die Umfärbung der sonst schwarzen Quappen hat bereits begonnen.
Wohl wissend,
dass im Internet so ziemlich alles an Texten und Bildern geklaut wird, möchte
ich hiermit ausdrücklich allen erlauben,
bei einem entsprechenden Verweis auf diese Seite, kurze Textausschnitte und
Bilder für die eigene Webseite zu verwenden.
Das Internet lebt durch Verlinkungen untereinander und einige Suchmaschinen
belohnen es sogar.
In der freien Natur würde man von einer "Symbiose" sprechen.
Beispiel Quellcode für einen Verweis auf diese Seite:
Ich hoffe,
es hat Ihnen Spaß gemacht, diesen für Sie hoffentlich außergewöhnlichen Beitrag
zu lesen und wünsche Ihnen
und im Namen dieser leider immer noch vom Aussterben bedrohten Tierart viel
Erfolg bei der Haltung und Zucht von
Dendrobates leucomelas. Der gelbgebänderte Baumsteiger.
Tschüß und bis bald!
Ihr Klaus Kreyerhoff
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